Leaking als Mittel der Manipulation

Willi Winkler schreibt in der SZ auf einem Seite-2-Beitrag über Leaking als Mittel, die öffentliche Meinung wirksam zu verändern. Dafür führt er zahlreiche Beispiele  für “Kompromate” aus mutmaßlichen Geheimdienst-Quellen auf, die in jüngster Zeit über Youtube einen spürbaren Einfluss auf die politische Öffentlichkeit nehmen konnten.

Dabei scheinen die Leaker auf Quellen zugreifen zu können, die auf staatliche Überwachungstechnik Zugang haben.  In der Tat eine interessante Fusion von “Social Media” und “Government Surveillance”. Wobei Winkler in diesen Fällen gar nicht so genau wissen will, woher die Kompromate kommen und wie sie zu Stande gekommen sind. Auch die Authentizität wird nicht angezweifelt, so schreibt er: “Manchmal – siehe Recep Erdoğan und erst recht Julia Timoschenko – trifft es auch die Richtigen.”

Snowden-Berichterstatter über den Status Quo

Eine 44-minütige Diskussion vom 21. März 2014 über die gegenwärtige Lage der Snowden-Berichterstatter Barton Gellman von der Washington Post, Glenn Greenwald von The Intercept und Laura Poitras. Moderiert wurde sie von Roger Cohen von der New York Times im Rahmen der Konferenz “Sources+Secrets: A Conference on the Press, The Government & National Security”. Durchgeführt wurde sie mittels Skype.

Thematisiert wird die Frage, was Greenwald und Poitras erwartet, sollten sie in die USA zurückkehren – und wie stark die Regierung zur Pressefreiheit steht. Es geht um journalistisches Selbstverständnis, Leaking und andere nahe liegenden Fragen.

via Cuny

Byung-Chul Han über die Gewalt der Transparenz

Zum Thema “Against Transparency” hat das SZ-Magazin diese Woche ein lesenswertes Interview mit Byung-Chul Han von der UdK in Berlin veröffentlicht, der vor einigen Monaten über die “Transparenzgesellschaft” ein Buch veröffentlicht hat. Han geht der Frage nach, wie Gewalt sich in der Transparenzfrage zeigt. Er glaubt,

“dass der Transparenzwahn die Demokratie nicht fördert, sondern gefährdet, und dass uns Werte wie Vertrauen und Respekt verloren gegangen sind.”

Politik ohne Geheimnis sei nicht möglich, Macht zeige sich auch dadurch, dass die Öffentlichkeit nicht alles erfahren darf. Wobei er auch die Frage ins Spiel bringt, inwieweit sich etwa die Piraten durch zuviel Information selbst blockieren. Er stellt fest:

“Für politisches Handeln ist eine gewisse Informationsmacht notwendig, eine Souveränität über die Produktion und Verteilung von Information. Es gehört auch zur Politik, dass bestimmte Informationen zurückgehalten werden müssen.”

Letztlich bewege man sich von einer Gesellschaft des Vertrauens weg, “weil Transparenz immer noch mehr Transparenz und Kontrolle notwendig macht” und letztlich nur in einer Diktatur total durchsetzbar sei. Was ihn zu dem Schluss führt: “In der Demokratie gibt es Räume, die man nicht durchleuchten darf.”

Leaking-Sites und Plagiatewikis: Erweiterung der Öffentlichkeit

Plattformen wie Wikileaks oder das Guttenplag-Wiki werden nicht von Journalisten, sondern von Aktivisten und aus der Zivilgesellschaft heraus betrieben. In einer neuen Arbeitsteilung dienen sie ebenso der Herstellung von Öffentlichkeit.

In älteren Modellen der Medientheorie stellen Massenmedien Öffentlichkeit her, über die sich Bürger informieren können. Sie üben eine Gatekeeper-Rolle aus, in dem sie bestimmen, was öffentlich präsentiert wird. Seitdem zivilgesellschaftliche Organisationen und Bürger im Internet ihre Anliegen und Themen über verschiedene Dienste auf einfache Weise veröffentlichen können, hat sich das geändert. In Diskursen, die mit Schlagwörtern wie „Blogger versus Journalisten“ oder „Wikileaks versus Zeitungen“ arbeiteten, wurde das Unbehagen journalistischer Akteure an den neuen kommunikativ-medialen Verhältnissen deutlich. Sie geben vor, es sei ein neues Konkurrenzverhältnis entstanden, das zu Qualitätsverlusten führe und das ethische und professionelle Standards verletze, ja letztlich den Journalismus und damit die Demokratie gefährde.
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Wikileaks-Truck in der Wallstreet

CC-BY: PamelaAdrew212, Flickr

CC-BY: PamelaAdrew212, Flickr 

Der Truck fuhr anlässlich einer Wall-Street-Demonstration, die an die Proteste von Madrid und anderswo anknüpfen sollte. Die New Yorker Polizei ging dabei gegen mit Anonymous-Masken vermummte Demonstranten mit Verweis auf ein 150 Jahre altes Gesetz vor.