Zehn Jahre RiffReporter – und was bleibt

Seit 2017 bin ich bei RiffReporter – zunächst als Autorin, dann als Mitgründerin zweier Riff-Projekte. Ich war Autor:innen-AG-Sprecherin, Mitglied des Aufsichtsrats und zuletzt als Vorstandsmitglied. Ende Juni 2026 ging mein Mandat im Vorstand der RiffReporter eG nach gut zwanzig Monaten zu Ende

RiffReporter hat mich journalistisch geprägt, weil die Genossenschaft konsequent auf das setzt, was ich für den Kern von gutem Journalismus halte: Unabhängigkeit, Zurechenbarkeit und echte Thementiefe. Und das wirtschaftlich durch aus ehrgeizig ohne Werbung, Cookies und Algorithmenlogik. 2018 habe ich das Riff-Projekt KlimaSocial mitgegründet, 2021 das Projekt Klima wandeln. Beide rücken den Menschen in den Mittelpunkt der Klimakrise, der Lösungen sucht, Strukturen verändert.

Die letzten zwanzig Monate im Vorstand waren anders als zuvor: weniger schreiben, mehr organisieren und gestalten. Zuletzt habe ich mich intensiv mit Themen der KI-Governance in der Genossenschaft befasst. Mit der KI-Integration im CMS stellte sich die Frage, wie faire Vertragsklauseln und technische Features den Umgang mit KI-generierten Inhalten die Rechte der Autor:innen wahren können.

KI war allerdings nicht nur Regelungsgegenstand, sondern gutes Werkzeug für primär organisatorische Fragen. Ich habe aus der Innenperspektive gelernt, was es bedeutet, einen Medienbetrieb mit KI zu organisieren. KI war als Sparring hilfreich bei Marketinganalysen und Zielgruppenarbeit wie auch bei Datenanalysen für die Erstellung von Lage- und Jahresberichten. Das ist ein Wissen, das ich künftig in meine journalistische und beratende Arbeit einbringen möchte.

Eines meiner Herzensthemen im Vorstand war der Aufbau des Teams Magazin. Es ist ein Rahmen, in dem freie Journalist:innen in der Genossenschaft für das Produkt Magazin verbindlich zusammenarbeiten. Ein solches Modell redaktioneller Zusammenarbeit unter freien Journalist:innen gibt es in der deutschen Medienlandschaft wohl kaum ein zweites Mal. Und wir hatten messbaren Erfolg: Wir konnten die Kündigungsrate um mehr als die Hälfte senken, die Zahl der Seitenabrufe sowie Aktionen auf der Website um ein Drittel steigern.

Ein besonderer Moment im Vorstand war der Juli 2025: Wir durften unser Funnel-Konzept vor der Jury des Media Forward Fund pitchen – neben fünf weiteren Medienunternehmen. Wir haben leider nicht gewonnen, aber der intensive Entwicklungs- und Evaluierungsprozess hat uns nicht nur gezeigt, wie Medieninnovation heute bewertet wird, sondern auch, wo wir als Genossenschaft organisatorisch noch etwas zu tun haben. Und das „wir“ bedeutet in der Genossenschaft immer auch „alle“.

Ich bleibe RiffReporter verbunden als journalistisches Mitglied. Bis Mitte Juli läuft noch unser Crowdfunding, um die finanzielle Basis der Genossenschaft zu sichern. RiffReporter hat in den letzten Monaten schmerzhafte, aber notwendige Einschnitte vorgenommen: die Restrukturierung des Vorstands, die Verkleinerung des hoch engagierten Bremer Teams, die Aufgabe des Büros und auch Einschnitte bei den Honorarausschüttungen. Das bedeutet auch, dass zentrale journalistische Aufgabenbereich in die Autor:innenschaft verlagert wurden.

Weil die Idee einer Genossenschaft für freie Journalistinnen und Journalisten aktueller denn je ist, weil das Engagement vieler journalistischen Mitgieder ungebrochen ist, wird der Genossenschaft der Schritt zur Schwarzen Null in diesem Jahr aller Voraussicht nach gelingen.

Wer den unabhängigen Journalismus unterstützen möchte, der von Menschen gemacht wird – nicht von Verlagen, nicht von Algorithmen –, findet in unserem Crowdfunding die Möglichkeit dazu: RiffReporter bleiben dran.

Meine inhaltlichen Schwerpunkte als Autorin bleiben: Datenschutz, digitale Bürgerrechte und KI-Regulierung auf der einen Seite, Klima und Nachhaltigkeit auf der anderen. Mich beschäftigt weiterhin die Frage, wie digitale Gesellschaften resilient, gerecht und zukunftsfähig werden können. 25 Jahre nach der „Datenjagd im Internet“ von 2001 wird es Zeit für einen weiteren Deep Dive. Gerade arbeite ich an einem Buchprojekt, das zeigen soll, wie digitale Bürgerrechte heute funktionieren.