Snowden-Berichterstatter über den Status Quo

Eine 44-minütige Diskussion vom 21. März 2014 über die gegenwärtige Lage der Snowden-Berichterstatter Barton Gellman von der Washington Post, Glenn Greenwald von The Intercept und Laura Poitras. Moderiert wurde sie von Roger Cohen von der New York Times im Rahmen der Konferenz „Sources+Secrets: A Conference on the Press, The Government & National Security“. Durchgeführt wurde sie mittels Skype.

Thematisiert wird die Frage, was Greenwald und Poitras erwartet, sollten sie in die USA zurückkehren – und wie stark die Regierung zur Pressefreiheit steht. Es geht um journalistisches Selbstverständnis, Leaking und andere nahe liegenden Fragen.

via Cuny

Byung-Chul Han über die Gewalt der Transparenz

Zum Thema „Against Transparency“ hat das SZ-Magazin diese Woche ein lesenswertes Interview mit Byung-Chul Han von der UdK in Berlin veröffentlicht, der vor einigen Monaten über die „Transparenzgesellschaft“ ein Buch veröffentlicht hat. Han geht der Frage nach, wie Gewalt sich in der Transparenzfrage zeigt. Er glaubt,

„dass der Transparenzwahn die Demokratie nicht fördert, sondern gefährdet, und dass uns Werte wie Vertrauen und Respekt verloren gegangen sind.“

Politik ohne Geheimnis sei nicht möglich, Macht zeige sich auch dadurch, dass die Öffentlichkeit nicht alles erfahren darf. Wobei er auch die Frage ins Spiel bringt, inwieweit sich etwa die Piraten durch zuviel Information selbst blockieren. Er stellt fest:

„Für politisches Handeln ist eine gewisse Informationsmacht notwendig, eine Souveränität über die Produktion und Verteilung von Information. Es gehört auch zur Politik, dass bestimmte Informationen zurückgehalten werden müssen.“

Letztlich bewege man sich von einer Gesellschaft des Vertrauens weg, „weil Transparenz immer noch mehr Transparenz und Kontrolle notwendig macht“ und letztlich nur in einer Diktatur total durchsetzbar sei. Was ihn zu dem Schluss führt: „In der Demokratie gibt es Räume, die man nicht durchleuchten darf.“

Leaking-Sites und Plagiatewikis: Erweiterung der Öffentlichkeit

Plattformen wie Wikileaks oder das Guttenplag-Wiki werden nicht von Journalisten, sondern von Aktivisten und aus der Zivilgesellschaft heraus betrieben. In einer neuen Arbeitsteilung dienen sie ebenso der Herstellung von Öffentlichkeit.

In älteren Modellen der Medientheorie stellen Massenmedien Öffentlichkeit her, über die sich Bürger informieren können. Sie üben eine Gatekeeper-Rolle aus, in dem sie bestimmen, was öffentlich präsentiert wird. Seitdem zivilgesellschaftliche Organisationen und Bürger im Internet ihre Anliegen und Themen über verschiedene Dienste auf einfache Weise veröffentlichen können, hat sich das geändert. In Diskursen, die mit Schlagwörtern wie „Blogger versus Journalisten“ oder „Wikileaks versus Zeitungen“ arbeiteten, wurde das Unbehagen journalistischer Akteure an den neuen kommunikativ-medialen Verhältnissen deutlich. Sie geben vor, es sei ein neues Konkurrenzverhältnis entstanden, das zu Qualitätsverlusten führe und das ethische und professionelle Standards verletze, ja letztlich den Journalismus und damit die Demokratie gefährde.
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Assange-Biografie erscheint

Gegen den Willen von Julian Assange veröffentlicht der schottische Verlag Canongate dessen 244 Seiten lange Autobiografie, berichtet die britische Tageszeitung Independent. Sie befasst sich mit Assanges Kindheit, Jugend und der Entstehung von Wikileaks sowie den Vorgängen in Schweden. Dort wurde gegen ihn der Vorwurf der sexuellen Nötigung erhoben, was zu einem immer noch schwebenden Auslieferungsverfahren zwischen Großbritannien und Schweden führte.

mehr dazu in meinem Beitrag für die Stuttgarter Zeitung

Unsichere Whistleblower-Systeme

Globaleaks behauptet nach einer Analyse diverser Systeme in seinem LeakDirectory, die bisherigen Whistleblower-Systeme seien nicht sicher: „The existing software lacked basic privacy-aware (anonymity) and security features (encryption)“ (Slide 6/45). Ich frage mich, wie man zu dieser Aussage kommen kann, wenn man in die System meist nicht reinsehen kann. Vermutlich basiert sie auf der Selbstauskunft der Betreiber, die aber etwaige Features schon selbst erwähnen würden.

Cryptome-Betreiber John Young, der sich schon immer zu gesunder Paranoia bekannte, geht hier natürlich etwas grundsätzlicher vor. In einem Twitlonger-Post stellte er gestern jegliche Sicherheit in Abrede:

The petit furor with Wikileaks, OpenLeaks, Anonymous
and newsy ilk portends a grand furor building toward disclosing something wonderful, I hope, about the cost of excessive secrecy and security obscurity, no matter who lurks beneath the cloak. Wikileaks and emulators are the least problematic compared to the Titanic-grade protectors of the commonweal[th] who are being outmatched by icebergs much more threatening than security-truth-disclosure sites.