{"id":50,"date":"2011-02-11T22:22:33","date_gmt":"2011-02-11T22:22:33","guid":{"rendered":"http:\/\/schulzki-haddouti.de\/?p=50"},"modified":"2011-02-28T17:56:49","modified_gmt":"2011-02-28T17:56:49","slug":"alp-traum-wikileaks","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schulzki-haddouti.de\/?p=50","title":{"rendered":"(Alp-)Traum WikiLeaks"},"content":{"rendered":"<p>24 Tage lang protokollierte die britische Tageszeitung\u00a0<em>The Guardian<\/em> auf ihrer Website, was die\u00a0<em>New York Times<\/em>,\u00a0<em>Der Spiegel<\/em>,\u00a0<em>Le Monde<\/em>,\u00a0<em>El Pa\u00eds<\/em> und sie selbst \u00fcber die 251.000 Depeschen des US-Au\u00dfenministeriums ver\u00f6ffentlichten. Am 22. Dezember schlie\u00dflich der letzte Eintrag, der unter anderem auf ein Interview des\u00a0<em>Spiegel<\/em> mit Bundesinnenminister Thomas de Maizi\u00e8re hinwies, der\u00a0<em>WikiLeaks<\/em> als \u201e\u00e4rgerlich, aber keine Bedrohung\u201c bezeichnete. Einen Tag zuvor hatte US-Vize-Pr\u00e4sident Joe Biden\u00a0<em>WikiLeaks<\/em>-Chef Julian Assange noch als \u201eHightech-Terrorist\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p>Eine Auswertung dieser Chronologie zeigt, dass der\u00a0<em>Guardian<\/em> mit Abstand das Meiste aus den Depeschen machte: Er ver\u00f6ffentlichte in den ersten 24 Tagen 158 Artikel, das sind 7 Artikel t\u00e4glich. Etwa auf einer Augenh\u00f6he befinden sich der\u00a0<em>Spiegel<\/em> mit 30 Beitr\u00e4gen, die<em>New York Times<\/em> mit 32 Beitr\u00e4gen und\u00a0<em>El Pa\u00eds<\/em> mit 33 Beitr\u00e4gen und etwa 1,4 Artikeln pro Tag im Schnitt. Deutliches Schlusslicht ist\u00a0<em>Le Monde<\/em> mit 23 Beitr\u00e4gen \u2013 mit gerundet etwa einem Beitrag t\u00e4glich. Allerdings sind etliche Artikel des\u00a0<em>Spiegel<\/em> dabei nicht ber\u00fccksichtigt. Nach Auskunft des\u00a0<em>Spiegel<\/em>-Sprechers Hans Ulrich Stoldt ver\u00f6ffentlichte der\u00a0<em>Spiegel<\/em> im Heft,<em>online<\/em> sowie in einer\u00a0<em>Spiegel-Special-<\/em>Ausgabe\u00a0insgesamt 143 Beitr\u00e4ge in diesem Zeitraum. Damit ist der\u00a0<em>Guardian<\/em> aber immer noch unangefochtener Spitzenreiter.<\/p>\n<p>Die meisten Beitr\u00e4ge wurden in der ersten Woche ver\u00f6ffentlicht, in der zweiten Woche ging die Frequenz zur\u00fcck, in der Woche vor Weihnachten stellten einige Redaktionen die Berichterstattung ganz ein. Der\u00a0<em>Spiegel<\/em> ver\u00f6ffentlichte laut der Z\u00e4hlung des\u00a0<em>Guardian<\/em> nur noch eine einzige Geschichte. Von Weihnachten bis zum 18.1. ver\u00f6ffentlichte er nach Angaben von Stoldt nur noch weitere f\u00fcnf Beitr\u00e4ge. Eine Planung, in welchem Tempo weiterhin ver\u00f6ffentlicht werden soll, gebe es nicht.<\/p>\n<p>Keine Auswertung gibt es dar\u00fcber, in welchem Ausma\u00df diese Berichte von anderen Medien aufgegriffen und weiter recherchiert wurden. Vielleicht eine Aufgabe f\u00fcr k\u00fcnftige Journalistik-Studien. Unz\u00e4hlig hingegen sind die Berichte \u00fcber den Fall des\u00a0<em>WikiLeaks<\/em>-Gr\u00fcnders Julian Assange.<\/p>\n<p>Deutlich wird jedenfalls die F\u00fchrungsrolle des\u00a0<em>Guardian<\/em> bei der redaktionellen Auswertung der US-Depeschen. Dies zeigt sich nicht nur an der Menge der bearbeiteten Informationen, sondern auch an der Art, wie diese pr\u00e4sentiert werden: N\u00e4mlich m\u00f6glichst \u00fcbersichtlich f\u00fcr die Leser \u2013 und im Sinne der vom\u00a0<em>Guardian<\/em> seit Jahren offensiv propagierten \u201eOpen Data\u201c-Philosophie, die bereits zahlreiche aufsehenerregende Datenjournalismus-Projekte inspirierte.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang ist es auch erw\u00e4hnenswert, dass der\u00a0<em>Guardian<\/em> die Metadaten der\u00a0<em>WikiLeaks<\/em>-Cables in einer offenen Datenbank zur Auswertung frei gegeben hat \u2013 w\u00e4hrend etwa der\u00a0<em>Spiegel<\/em> die Depeschen lediglich in einer von au\u00dfen unzug\u00e4nglichen Flash-Grafik aufbereitet hat. Auf diese Weise entstanden auf Grundlage der Guardian-Daten einige interessante Auswertungen. Unter anderem visualisierte eine Grafik Themenstr\u00e4nge f\u00fcr die Jahre 2001 bis 2003 und zeigt damit den\u00a0<a href=\"http:\/\/www.closr.it\/show\/LIkJxaoZVbl\">Impact<\/a> des 11. September auf Amerikas Diplomatie. Gef\u00e4hrdet wird durch die Freigabe der Metadaten niemand, doch nicht nur f\u00fcr Journalisten, sondern auch f\u00fcr Politikwissenschaftler und Historiker k\u00f6nnen solche Auswertungsm\u00f6glichkeiten wertvoll sein.<\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Exklusive Themenauswahl<\/strong><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p>Wie gingen die von\u00a0<em>WikiLeaks<\/em> bedachten Redaktionen bislang mit den Depeschen um? Auffallend ist, dass sie darauf achteten, eigene Themen zu setzen. Eine Geschichte des<em>Guardian<\/em> mit Deutschlandbezug, die kurz vor Weihnachten erschien, wurde beispielsweise vom\u00a0<em>Spiegel<\/em> nicht aufgegriffen. Darin ging es um das zeitweise Engagement des Energiekonzerns\u00a0<em>RWE<\/em> in einem Kernkraftwerkprojekt in Bulgarien, das laut der Depeschen von st\u00e4ndigen Sicherheitsproblemen begleitet war. F\u00fcr die Briten war es offenbar deshalb eine Geschichte, weil\u00a0<em>RWE<\/em> Besitzerin von Gro\u00dfbritanniens gr\u00f6\u00dftem Energieversorger<em>npower<\/em> ist, der das Projekt durchf\u00fchrte.<\/p>\n<p>Es scheint, als w\u00e4re die gro\u00dfe Enth\u00fcllungswelle erst einmal zum Erliegen gekommen. Seit Weihnachten werden die Depeschen auf der\u00a0<em>WikiLeaks<\/em>-Website nur noch tr\u00f6pfchenweise ver\u00f6ffentlicht. Woran dies liegt, dar\u00fcber l\u00e4sst sich spekulieren. Da den Redaktionen alle Depeschen vorliegen, k\u00f6nnte es daran liegen, dass der Sprengstoff der Depeschen schlicht verbraucht ist.<\/p>\n<p><strong>Aftenposten sprengt Kreis der Auserw\u00e4hlten<\/strong><\/p>\n<p>Dass dies nicht der Fall ist, zeigen die j\u00fcngsten Ver\u00f6ffentlichungen der norwegischen Tageszeitung\u00a0<em>Aftenposten<\/em>. Sie hat seit Ende Dezember laut eigenen Angaben Zugriff auf alle Dokumente \u2013 durch ein Leck innerhalb von\u00a0<em>WikiLeaks<\/em>. Offenbar gibt es innerhalb von<em>WikiLeaks<\/em> Personen, die die bisherige Ver\u00f6ffentlichungspolitik torpedieren. Von diesem Leck profitierte inzwischen auch\u00a0<em>Die Welt<\/em>, die dank einer Kooperation mit\u00a0<em>Aftenposten<\/em> seit Mitte Januar ebenfalls \u201eohne jede Beschr\u00e4nkung\u201c Zugriff auf alle Depeschen hat.<\/p>\n<p>Die ersten Ver\u00f6ffentlichungen von\u00a0<em>Aftenposten<\/em> l\u00f6sten internationale Resonanz aus. So erl\u00e4uterten Dokumente der US-Botschaft in Oslo die Verhandlungen zwischen Norwegen und Russland \u00fcber die gemeinsame Grenze in der Barents-See. Eine\u00a0<em>AFP<\/em>-Meldung griff einen weiteren\u00a0<em>Aftenposten<\/em>-Bericht auf, wonach Deutschland und die USA f\u00fcr rund 205 Millionen Euro gemeinsam ein hochaufl\u00f6sendes Satellitensystem unter dem Projektnamen HiROS gegen Widerst\u00e4nde aus Frankreich entwickeln wollten. Dieser Satellit soll unter der Kontrolle des Bundesnachrichtendienstes und des Deutschen Zentrums f\u00fcr Luft- und Raumfahrt (DLR) stehen. Etliche Tage sp\u00e4ter berichtete auch\u00a0<em>Spiegel Online<\/em> \u00fcber das Projekt \u2013 und dass die Bundesregierung es nicht unterst\u00fctzen wolle. Dabei wurde die entsprechende Depesche weder verlinkt, noch wurde der Bericht von\u00a0<em>Aftenposten<\/em> erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Die Redaktionen scheinen mit den Depeschen mit einer nahe liegenden Methode umzugehen: Sie recherchieren die Themen, die sie kennen. Werden sie f\u00fcndig und erscheint das Material interessant genug, berichten sie dar\u00fcber. Es ist offensichtlich, dass auf diese Weise noch l\u00e4ngst nicht alles publiziert wurde, was Nachrichtenwert besitzt. Die bislang ver\u00f6ffentlichten Geschichten reflektieren damit vermutlich vor allem die aktuelle Interessenlage und Themenkompetenz der jeweiligen Redaktion.<\/p>\n<p><strong>Exklusivvertrag mit WikiLeaks?<\/strong><\/p>\n<p><em>Aftenposten<\/em> geh\u00f6rt nicht zu dem erlauchten Kreis der vier gro\u00dfen Publikationen (<em>Guardian<\/em>,<em>Le Monde<\/em>,\u00a0<em>El Pa\u00eds<\/em> und\u00a0<em>Spiegel<\/em>), die mit\u00a0<em>WikiLeaks<\/em> die Ver\u00f6ffentlichung vereinbart hatten. Die\u00a0<em>New York Times<\/em> selbst hat die Dokumente vom\u00a0<em>Guardian<\/em> bekommen.\u00a0<em>Aftenposten<\/em>-Redaktionsleiter Ole Erik Almlid sagte laut der Nachrichtenagentur<em> dapd<\/em>: \u201eWir haben diese Dokumente ohne Auflagen und ohne etwas daf\u00fcr zu bezahlen bekommen\u201c. Die Zeitung werde die ihr wichtig erscheinenden Depeschen ver\u00f6ffentlichen und unter Umst\u00e4nden heikle Informationen wie Namen unkenntlich machen.<\/p>\n<p>Die \u00c4u\u00dferung von Almlid wirft aber auch ein interessantes Licht auf die mutma\u00dfliche Vereinbarung zwischen\u00a0<em>WikiLeaks<\/em> und den vier Redaktionen.\u00a0<em>Spiegel<\/em>-Sprecher-Stoldt jedenfalls sagt: \u201eEs gibt keinerlei Vereinbarungen mit\u00a0<em>WikiLeaks<\/em>. Ausnahme: Der Termin zur ersten Ver\u00f6ffentlichung der Depeschen war mit\u00a0<em>WikiLeaks<\/em> und den anderen Medienpartnern abgesprochen.\u201c Der US-Fernsehsender\u00a0<em>CNN<\/em> und das\u00a0<em>Wallstreet-Journal<\/em>hatten nach eigenen Angaben eine Zusammenarbeit jedoch abgelehnt, da sie nicht bereit waren, die von\u00a0<em>WikiLeaks<\/em> geforderten Vertragsklauseln zu unterzeichnen. Diese sollen unter anderem eine nicht mit\u00a0<em>WikiLeaks<\/em> abgestimmte Publikation verbieten. Au\u00dferdem ist die Rede von einer Vertragsstrafe von 100.000 Dollar bei Zuwiderhandlung.<\/p>\n<p>Ob eine mindestens m\u00fcndlich getroffene Vereinbarung zwischen den Verlagen und der Enth\u00fcllungsplattform presserechtlich ebenfalls als Exklusivvertrag zu werten ist, dar\u00fcber wird der Presserat im M\u00e4rz entscheiden m\u00fcssen. Im Falle des\u00a0<em>Spiegel <\/em>geht es immerhin um einen exklusiven Zugang innerhalb des deutschsprachigen Raums. Nach Ansicht der Beschwerdef\u00fchrerin verst\u00f6\u00dft der\u00a0<em>Spiegel<\/em> gegen die Richtlinie 1.1. des Pressekodex. Sie untersagt Exklusivvertr\u00e4ge mit Informanten \u00fcber \u201eVorg\u00e4nge oder Ereignisse, die f\u00fcr die Meinungs- und Willensbildung wesentlich sind\u201c. Weiter hei\u00dft es: \u201eWer ein Informationsmonopol anstrebt, schlie\u00dft die \u00fcbrige Presse von der Beschaffung von Nachrichten dieser Bedeutung aus und behindert damit die Informationsfreiheit.\u201c<\/p>\n<p><strong>Eine Frage der Masse<\/strong><\/p>\n<p>Das Besondere an den\u00a0<em>WikiLeaks<\/em>-Depeschen ist ganz offensichtlich die schiere Masse: Um sie auswerten zu k\u00f6nnen, muss eine Redaktion nicht nur \u00fcber gen\u00fcgend Manpower und Know-How verf\u00fcgen. Sie sollte auch in der Lage sein, mit anderen journalistischen Organisationen vertrauensvoll zu kooperieren. Trotz des angeblich fehlenden Vertrags ist der<em> Spiegel<\/em> dazu aber anders als die\u00a0<em>Aftenposten<\/em> nicht bereit. Stoldt zu dieser Frage: \u201eEs sind keine Kooperationen mit anderen Redaktionen vorgesehen.\u201c Aus Sicht der Journalisten als Protagonisten der Meinungs- und Pressefreiheit muss das Hauptinteresse darin bestehen, die Informationen einzuordnen, zu bewerten \u2013 und dann erst \u00d6ffentlichkeit bei einem Optimum an Transparenz herzustellen. Aus Sicht der Whistleblower muss der Informantenschutz gewahrt \u2013 und eine gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche \u00d6ffentlichkeitswirkung erzielt werden.<\/p>\n<p>Weil in den Datennetzen von Beh\u00f6rden und Unternehmen immer mehr Dokumente gespeichert werden, werden k\u00fcnftig immer wieder Whistleblower massenhaft Daten an die \u00d6ffentlichkeit bringen wollen. F\u00fcr Journalisten ist das sowohl Anlass zur Freude als auch zur Sorge. Einerseits erh\u00e4lt man brisantes Material f\u00fcr aufsehenerregende Geschichten. Andererseits m\u00fcssen die Dokumente wie andere auch auf Authentizit\u00e4t und Echtheit \u00fcberpr\u00fcft werden. Au\u00dferdem m\u00fcssen Sicherheitsma\u00dfnahmen ergriffen werden, um die Informanten samt Material zu sch\u00fctzen. Eine Aufgabe, der sicherlich nicht jeder Journalist und auch nicht jede Redaktion gewachsen ist.<\/p>\n<p>Auch muss eine Redaktion sich mit der Frage auseinandersetzen, wie weit das eigene Ver\u00f6ffentlichungsinteresse tats\u00e4chlich geht. Die Masse der Dokumente reicht aus, um die Berichterstattung auf Jahre hinaus zu versorgen. Doch darauf wird sich kein Verlag einlassen, da es immer auch konkurrierende Themen gibt, die m\u00f6glicherweise von gr\u00f6\u00dferer Relevanz sind. Im Ergebnis sind die Archive der jeweiligen Redaktionen um eine wertvolle zus\u00e4tzliche Quelle erweitert.\u00a0Im Sinne einer informierten \u00d6ffentlichkeit stellt sich jedoch die Frage, ob eine Privatisierung dieses Informationsschatzes richtig ist. Auf dies w\u00fcrde es n\u00e4mlich hinauslaufen, wenn\u00a0<em>WikiLeaks<\/em> das aktuelle Ver\u00f6ffentlichungstempo beibeh\u00e4lt \u2013 und dies st\u00fcnde der urspr\u00fcnglichen Intention der Whistleblower-Plattform entgegen.<\/p>\n<p>Ganz offenbar m\u00fcssen Journalisten und Whistleblower neue Prozeduren entwickeln, um verantwortlich mit dem Material umzugehen. Einerseits m\u00fcssen sie Informanten sch\u00fctzen, andererseits m\u00fcssen sie so viele Informationen wie m\u00f6glich strukturiert ver\u00f6ffentlichen. Dabei m\u00fcssen sie viele, sich widerstreitende Interessen austarieren.<\/p>\n<p>N\u00fcchtern betrachtet besteht das Neue an\u00a0<em>WikiLeaks<\/em> vor allem in der Masse der Ver\u00f6ffentlichungen, ihrem weltweiten Erfolg und darin, der Welt\u00f6ffentlichkeit einen tragischen Helden zu liefern. Seit Jahrzehnten gibt es n\u00e4mlich schon die Website<em>Cryptome.org<\/em> des New Yorker Architekten John Young, die ebenfalls vertrauliche Dokumente aus aller Welt im Internet ver\u00f6ffentlicht. Er musste ebenfalls bereits mehrere Gerichtsprozesse durchstehen \u2013 erfolgreich. Denn die Presse- und Meinungsfreiheit werden in den USA von den Gerichten so hoch bewertet, dass John Young bislang immer durchkam.<\/p>\n<p>Ob ein Prozess gegen\u00a0<em>WikiLeaks<\/em> in den USA erfolgreich sein wird, ist zweifelhaft. Man m\u00fcsste Assange schon nachweisen, dass er den verhafteten Whistleblower Bradley Manning zum \u201eVerrat\u201c von Staatsgeheimnissen anstiftete. Dies w\u00fcrde dann in die Kategorie \u201eSpionage\u201c fallen, was zu ahnden w\u00e4re. Daf\u00fcr k\u00f6nnte es gen\u00fcgen, Manning zu einer entsprechenden Aussage zu bringen. Assange \u00e4u\u00dferte selbst diese Vermutung gegen\u00fcber dem britischen Nachrichtenmagazin\u00a0<em>New Statesman<\/em>: \u201eBradley Manning zu knacken, ist nur der erste Schritt. Ganz offensichtlich ist es das Ziel, ihn zu brechen und ein Gest\u00e4ndnis zu erzwingen, dass er sich in irgendeiner Weise mit mir verschworen hat, um die nationale Sicherheit der USA zu verletzen.\u201c<\/p>\n<p><strong>N\u00e4chste Schritte<\/strong><\/p>\n<p>Immer wieder betonten die Macher von\u00a0<em>WikiLeaks<\/em>, dass ihre Technik so ausgestaltet ist, dass die Identit\u00e4ten der Whistleblower gegen\u00fcber der Plattform unbekannt bleiben. Anonymit\u00e4t ist damit nicht nur ein Schutz der Quelle, sondern auch automatisch ein rechtlicher Schutz f\u00fcr die Empf\u00e4nger.<\/p>\n<p>Angesichts des unbestreitbaren Erfolgs der Plattform ist es erstaunlich, dass es im Zeitalter innovativer Zeitungsausgaben f\u00fcr das mobile Internet nicht schon l\u00e4ngst auf allen Verlagswebsites anonyme digitale Briefk\u00e4sten f\u00fcr Informanten gibt. Die Technik daf\u00fcr gibt es nicht erst seit heute. Schon seit etwa zehn Jahren unterst\u00fctzen etwa das Kryptoprogramm \u201ePretty Good Privacy\u201c und das Anonymisierungstool JAP kostenlos die sichere und anonyme Kommunikation. Dass ehemalige\u00a0<em>WikiLeaks<\/em>-Mitarbeiter nun mit<em>OpenLeaks<\/em> ein handliches Tool f\u00fcr Whistleblower anbieten wollen, das dies aus einer Hand bietet, ist \u00fcberf\u00e4llig. Diese Initiative h\u00e4tte aber auch von professionell-journalistischer Seite kommen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ein weiterer n\u00e4chster Schritt k\u00f6nnte darin bestehen, sich in Deutschland f\u00fcr die rechtliche Absicherung von Informanten einzusetzen. Einen gesetzlichen Whistleblower-Schutz gibt es n\u00e4mlich bis heute nicht.<\/p>\n<p><em>Erschienen in der Ausgabe 1\/2-2011 der\u00a0<a href=\"http:\/\/mmm.verdi.de\/\">M<\/a> <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>24 Tage lang protokollierte die britische Tageszeitung The Guardian auf ihrer Website, was die New York Times, Der Spiegel, Le Monde, El Pa\u00eds und sie selbst \u00fcber die 251.000 Depeschen des US-Au\u00dfenministeriums ver\u00f6ffentlichten. <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[7,9,8,11,5,10,6,4],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/schulzki-haddouti.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/50"}],"collection":[{"href":"https:\/\/schulzki-haddouti.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/schulzki-haddouti.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schulzki-haddouti.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schulzki-haddouti.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=50"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/schulzki-haddouti.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/50\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":266,"href":"https:\/\/schulzki-haddouti.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/50\/revisions\/266"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/schulzki-haddouti.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=50"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/schulzki-haddouti.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=50"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/schulzki-haddouti.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=50"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}