{"id":206,"date":"2011-02-27T17:31:09","date_gmt":"2011-02-27T17:31:09","guid":{"rendered":"http:\/\/schulzki-haddouti.de\/?p=206"},"modified":"2011-02-28T17:54:33","modified_gmt":"2011-02-28T17:54:33","slug":"anonyme-depots","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schulzki-haddouti.de\/?p=206","title":{"rendered":"Anonyme Depots"},"content":{"rendered":"<p><strong>In den letzten Wochen gingen eine Reihe von Internetplattformen und Verlagsdienstleistungen an den Start, die sich WikiLeaks zum Vorbild nehmen. Prominent k\u00fcndigten etwa die WikiLeaks-Dissidenten Daniel Berg-Domscheit und Herbert Snorrason einen Nachfolgedienst mit einer neuen Konzeption an: Openleaks.org.<\/strong><\/p>\n<p>OpenLeaks soll Journalisten, Gewerkschaften und Menschenrechtsgruppen die technische Infrastruktur zur Verf\u00fcgung stellen, damit Informanten ihre Informationen anonym deponieren k\u00f6nnen. Damit nehmen die Entwickler der Technik kein juristisches Risiko auf sich \u2013 es verbleibt traditionell bei denen, die die Materialien verwenden: Den Journalisten. Diskussionen dar\u00fcber, ob eine solche Plattform \u201ejournalistisch\u201c sei, er\u00fcbrigen sich dann. Ebenso die Entscheidung, wie und wann die Dokumente ver\u00f6ffentlicht werden sollen. Die Technik soll kostenfrei zur Verf\u00fcgung stehen. Medienorganisationen sollen jedoch eine \u201eInfrastrukturspende\u201c entrichten. Die Rede ist von monatlich zwischen 200 und 500 Euro, die die j\u00e4hrlichen Kosten von sch\u00e4tzungsweise 100.000 Euro decken sollen. Demn\u00e4chst soll der Probebetrieb starten.<\/p>\n<p>In Deutschland stellte Der Westen bereits einen Leserservice namens \u201eDateiupload\u201c bereit, den Informanten anonym nutzen k\u00f6nnen, sowie eine anonyme E-Mail-Kontaktm\u00f6glichkeit. Beide Funktionen werden \u00fcber ein Webformular realisiert. In dem einen Fall kann man eine Datei hochladen, in dem anderen Fall eine Nachricht schicken. Dass so etwas auch f\u00fcr die Lokalpresse sinnvoll sein kann, hatte sich im August 2010 gezeigt, als auf WikiLeaks Dokumente zur Planung der Loveparade in Duisburg ver\u00f6ffentlicht worden waren. Seitdem WikiLeaks nur noch die US-Depeschen ver\u00f6ffentlicht, gibt es au\u00dfer Cryptome keine bekannten Alternativen mehr f\u00fcr Informanten. Eine Ver\u00f6ffentlichung garantiert die WAZ allerdings nicht.<\/p>\n<p>Die WAZ hat einige technische Vorkehrungen getroffen: \u201eUnsere Datenleitungen sind elektronisch gesichert. Niemand wird Sie enttarnen k\u00f6nnen\u201c, verspricht Recherche-Leiter David Schraven. In der Tat nutzt die WAZ-Gruppe eine SSL-Verschl\u00fcsselung f\u00fcr ihre Verbindung. Auch sollen die Dateien mit GnuPG, einer Open-Source-Variante des ber\u00fchmten und immer noch sicheren Kryptoprogramms \u201ePretty Good Privacy\u201c verschl\u00fcsselt werden. Wirklich sicher ist das aber auch noch nicht: Jeder Besucher hinterl\u00e4sst n\u00e4mlich auf dem Server der Website mit seiner IP-Adresse eine Spur, die zur Identifizierung genutzt werden kann. Nutzer, die wirklich anonym bleiben wollen, sollten daher daf\u00fcr sorgen, dass ihre IP-Adresse verschleiert wird, wenn sie die Website besuchen. Das geht \u00fcber Dienste wie JAP: Die JAP-Rechner, die unter anderem vom schleswig-holsteinischen Landesdatenschutzzentrum betrieben werden, verschleiern \u00fcber mehrere Stufen, welchen Internet-Zugangsserver ein Informant verwendet. Einen entsprechenden Hinweis darauf gibt es auf der Website des Westens aber nicht.<\/p>\n<p>In Br\u00fcssel haben indessen Journalisten selbst das Heft in die Hand genommen und zusammen mit Aktivisten und Kommunikationsprofis \u201eBrusselsLeaks.com\u201c gegr\u00fcndet. Die Idee dahinter war, dass Journalisten zwar gute Kontakte zu m\u00f6glichen Informanten in den Beh\u00f6rden und Lobbyvereinigungen in Br\u00fcssel pflegen. Da die Verbindungen jedoch in der Regel bekannt sind, ist es f\u00fcr diese riskant, die Informationen weiterzugeben. Anders w\u00e4re dies, so das Kalk\u00fcl, wenn die Daten durch einen Trichter kommen und dann verteilt werden. Eine Art Datenw\u00e4sche sozusagen. Anonymit\u00e4t wird auf Wunsch versprochen. Das Ziel ist hochgesteckt: Aufgedeckt werden sollen \u201edie vor Ort gesammelten Informationen, die die innere Funktionsweise der EU zentral abbilden\u201c.<\/p>\n<p>Zu Beginn bot BrusselsLeaks eine Daten\u00fcbermittlung nur \u00fcber ein gesichertes Webformular an, das auf WordPress-Software beruht sowie E-Mail-Kontakt \u00fcber den kanadischen Dienstleister Hushmail. com, der E-Mails verschl\u00fcsselt. Wie auch beim Westen gibt es keinen Hinweis darauf, dass die IP-Adressen der Besucher letztlich nicht gesch\u00fctzt sind. Welche Technik \u201eBrussels Leaks\u201c letztendlich einsetzen wird, ist noch ungewiss. Bislang gibt es nur eine Ank\u00fcndigung, die ein gro\u00dfes Medienecho erfuhr. Bis auf Weiteres sind die Macher auf Tauchstation gegangen.<\/p>\n<p>\u00c4hnliche Ank\u00fcndigungen und Protoypen gibt es inzwischen auch f\u00fcr Indonesien in Form eines \u201eIndoleaks\u201c, das einen E-Mail-Kontakt \u00fcber Googlemail anbietet. In Bulgarien ging \u201eBalkanleaks.eu\u201c an den Start. Wikispooks.com wiederum basiert auf der Mediawiki-Software. Sie bietet PGP-verschl\u00fcsselten E-Mail-Kontakt sowie einen SSL-gesicherten anonymen Datei-Upload an. Dabei versichert sie, keine IP-Adressen zu protokollieren. Diese Website richtet sich an Mitarbeiter von Sicherheitsbeh\u00f6rden sowie Freunde von Verschw\u00f6rungstheorien.<\/p>\n<p>Ob diese Plattformen und Dienstleistungen auf der Bugwelle von WikiLeaks f\u00fcr den Journalismus erfolgreich sein werden, ist ungewiss. Seit Jahren gibt es etwa die so genannte Privacybox der German Privacy Foundation, einer Art gesch\u00fctzten digitalen Briefkasten. 2.000 Personen aus Deutschland, Frankreich, Spanien und Russland nutzen zurzeit die etwa 3.000 sicheren Postf\u00e4cher. Deutsche Medien haben dieses Angebot bislang nicht angenommen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.verdi.de\/mmm\/-\/eBK\">Crosspost aus M &#8211; Menschen Machen Medien, 1-2\/2011<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Wochen gingen eine Reihe von Internetplattformen und Verlagsdienstleistungen an den Start, die sich WikiLeaks zum Vorbild nehmen. Prominent k\u00fcndigten etwa die WikiLeaks-Dissidenten Daniel Berg-Domscheit und Herbert Snorrason einen Nachfolgedienst mit einer neuen Konzeption an: Openleaks.org<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[31,114,116,32,4],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/schulzki-haddouti.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/206"}],"collection":[{"href":"https:\/\/schulzki-haddouti.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/schulzki-haddouti.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schulzki-haddouti.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schulzki-haddouti.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=206"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/schulzki-haddouti.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/206\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":263,"href":"https:\/\/schulzki-haddouti.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/206\/revisions\/263"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/schulzki-haddouti.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=206"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/schulzki-haddouti.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=206"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/schulzki-haddouti.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=206"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}