{"id":155,"date":"1991-08-10T11:47:00","date_gmt":"1991-08-10T11:47:00","guid":{"rendered":"http:\/\/schulzki-haddouti.de\/?p=155"},"modified":"2011-02-27T11:59:36","modified_gmt":"2011-02-27T11:59:36","slug":"koeppen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schulzki-haddouti.de\/?p=155","title":{"rendered":"Koeppen"},"content":{"rendered":"<p>Der zehnte Tag, 10. August 1991<\/p>\n<p>Das Autoradio l\u00e4\u00dft sich nur auf orchestrierte Evergreens und deutsche Klassik einstellen. Cape Cod gibt sich gediegen. Einen Weg zu einem anderen Strandabschnitt gesucht. Willk\u00fcrlich biegen wir vom Highway in eine Seitenstra\u00dfe ein. Nach einigen hundert Metern geht es nur noch auf einem schmalen einspurigen Feldweg \u00fcber befestigtes Sumpfgebiet weiter:<\/p>\n<p>Eine schmale Holzbohlenbr\u00fccke hoch, oben angehalten und auf einer Seite ausgestiegen. Dunkles Wasser zieht sich leicht gekr\u00e4uselt in die Bucht hinein. Lange, schmale Grasb\u00fcschel polstern ihre Arme aus. Langsam wieder hinunter gefahren. Der Blick geht weit \u00fcber Grasland und blaubraun durchsichtiges Wasser. Auf einigen Sandd\u00fcnen liegen Strandvillen, von Pinien und kleinw\u00fcchsigen Kiefern versteckt. Wurzelbefestigte Pisten f\u00fchren im Irrwald von Haus zu Haus. &#8222;Koeppen&#8220; hei\u00dft es auf einem Schild. Der Koeppen meines Buches? Nach einigen langsamen Metern wird es flacher. Eine Kurve er\u00f6ffnet den Blick auf unber\u00fchrten Muschelstrand.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag machen wir bei Koeppen kurz halt. Es ist mir zwar peinlich, doch m\u00f6chte ich mich vergewissern. Eigentlich eine Zumutung Will ich ihm etwa sagen, wie sehr mir seine &#8222;Amerikafahrt&#8220; gef\u00e4llt? Da\u00df es das einzige Buch ist, das ich auf der Fahrt dabei habe? Da\u00df seine Fahrt zwar schon mehrere Jahrzehnte her ist, doch seine Beobachtungen noch immer anzutreffen sind? Da\u00df mir seine Sprache gut gef\u00e4llt, doch da\u00df ich das &#8222;Pers\u00f6nliche&#8220; etwas vermisse, es etwas zu journalistisch finde? Wohl kaum der richtige Ort, um ein solches Gespr\u00e4ch zu f\u00fchren. Doch vielleicht freut er sich? W\u00e4re sicherlich auch eine \u00daberraschung f\u00fcr ihn. Wie das Gespr\u00e4ch anfangen? &#8211; Herr Koeppen, ihr Buch hat mich hierher gef\u00fchrt. Ich habe es mitgenommen, weil jemand anderes ihr erstes Werk auf seine Amerikareise mitgenommen hat. Und da der Titel dieses Buches mich mit diesem Menschen verbindet, habe ich einen anderen Titel gew\u00e4hlt, damit er mich mit meiner, aber auch seiner Reise verbindet. Andere Erinnerungsst\u00fccke w\u00e4ren zu direkt, zu vergeblich. &#8211; Sicherlich w\u00fcrde ich das nicht sagen, ob so umst\u00e4ndlich oder einfacher. Eher w\u00fcrde ich eine glaubw\u00fcrdigere, aber falsche Entschuldigung stammeln. Ich mache mir Vorw\u00fcrfe, finde mich naiv und aufdringlich. Dennoch finde ich wieder den richtigen Weg. Kaum haben wir herzklopfend vor dem Haus angehalten, kommt Frau Koeppen uns im Bikini entgegen. Zwei Kinder halten sich mi\u00dftrauisch im Hintergrund. &#8211; Ob sie mir helfen k\u00f6nne. &#8211; Wir sind auf der Durchfahrt &#8211; ausgerechnetauf diesem holprigen Wurzelweg &#8230; &#8211; und haben ihren Namen auf dem Schild gesehen. Vielleicht kennt sie den deutschen Schriftsteller Wolfgang Koeppen? &#8211; Nein, den kenne sie nicht. Aber aus Deutschland komme ihre Familie schon. Allerdings h\u00e4tten sie schon lange keinen Kontakt mehr miteinander. Es tue ihr leid, da\u00df sie mir nicht weiterhelfen k\u00f6nne. Auf Wiedersehen. &#8211; Ich bin erleichtert, und besch\u00e4mt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der zehnte Tag, 10. August 1991 Das Autoradio l\u00e4\u00dft sich nur auf orchestrierte Evergreens und deutsche Klassik einstellen. Cape Cod gibt sich gediegen. 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