{"id":149,"date":"1991-08-05T11:43:04","date_gmt":"1991-08-05T11:43:04","guid":{"rendered":"http:\/\/schulzki-haddouti.de\/?p=149"},"modified":"2011-02-27T11:59:47","modified_gmt":"2011-02-27T11:59:47","slug":"pfade","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schulzki-haddouti.de\/?p=149","title":{"rendered":"Pfade"},"content":{"rendered":"<p><em>Der f\u00fcnfte Tag, 5. August 1991<\/em><\/p>\n<p>Wir begeben uns wieder zu dem Coffee-shop gleich unten an der Ecke, 17te Stra\u00dfe, dritte Avenue. Zwei Stunden halten wir uns auf. Home-fries und drei sunny-side-up-and-flipped. Coffee. Die home-fries schwimmen in Fett, an den R\u00e4ndern sind sie schon etwas schwarz, doch die sunny-side-ups sind gut geflippt. Kein einziges ist aufgebrochen, das Eigelb noch intakt. Erst nach dem zweiten re-fill werde ich langsam wach. Schr\u00e4g gegen\u00fcber uns der Tischnachbar von gestern. Auch das P\u00e4rchen am Fenster habe ich schon die letzten Tage hier gesehen. Die Wege kreuzen sich, jeder verfolgt seine Trampelpfade, weicht nur schrittweise ab. Die Reisenden begehen manche Seitenwege, die Einheimische nie betreten w\u00fcrden, weil die au\u00dferhalb ihres Plans liegen. Als wir in die Bronx wollten, nahmen wir die falsche Subway. Wir z\u00e4hlten die Stationen ab und stiegen, ohne es zu wissen, in Sugar Hill aus. Die Hautfarben waren mit der H\u00f6he der Stra\u00dfen immer dunkler geworden, die Blicke zunehmend auf uns gerichtet, verwunderte Blicke. Wir waren die Letzten, Wei\u00dfen. Wir z\u00e4hlten die Stra\u00dfen ab und suchten unser Museum, doch es waren nur Wohnh\u00e4user zu sehen. Querstra\u00dfen gingen ab, die nicht auf dem Plan verzeichnet waren. Die Karte schien ein Redesign n\u00f6tig zu haben, die Autoren des Reisef\u00fchrers einen Leserbrief. Ein g\u00fctiger Gemischtarenh\u00e4ndler kl\u00e4rte uns auf: ihr seid in Harlem, Mam. Als wir dann aus Versehen weiter nach Norden fuhren und dem Ausgang in der 155sten Stra\u00dfe zustrebten, lie\u00df uns der Mann im token-booth nicht weitergehen. You are wrong, totally wrong &#8211; mitten in Harlem. Der Weg zur\u00fcck war unangenehm, denn jetzt wu\u00dften wir, da\u00df wir von dem uns zugestandenen Pfad abgekommen waren und niemand f\u00fcr unsere Sicherheit garantieren mochte. Und das in einem Land, in dem jeder Schritt genau vorgeschrieben wird, damit alle dieselben Chancen erhalten, das Richtige zu tun.<br \/>\nEin Gast hinter mir, eine durchdringende, gelangweilte m\u00e4nnliche Stimme, hatte zwar den richtigen Weg, aber die falsche Zeit gew\u00e4hlt: &#8222;I expected him to come out. Yeah, at the apartment-house at Central Park. I&#8217;ve been waiting for hours and hours. But John Lennon didn&#8217;t come out. That pissed me off &#8230;&#8220; Nach einer Weile: &#8222;Yah, he died this winter.&#8220; &#8211; Selten vereinen sich Ort und Zeit aus unterschiedlichen Richtungen, ohne Absprache . Wie ein d\u00e8j\u00e1 vu kam es mir deshalb vor, als ich das blonde, kurzhaarige M\u00e4dchen mit der modischen Indianerjacke aus dem Greyhound-Bus &#8222;New York-Washington D.C.&#8220; in einer Stra\u00dfe in Chinatown S.F. sechs Wochen sp\u00e4ter wiedersah. Kein Zweifel. Sie hatte eine Zeichenmappe in der Hand und sprach mit einem Galeristen. In diesem Moment schrumpften acht Wochen Fahrt auf zwei Orte zusammen, auf einen weichgepolsterten Sitz im Bus und ein paar Meter chinesisches Land auf amerikanischem Boden. Der Kontinent wurde zu einem kleinen Dorf.<br \/>\nIm Coffee-shop in der Columbus Avenue entscheide mich wieder f\u00fcr home-fries, heute nur mit einem Ei. Doch daf\u00fcr gibt es anstatt der toasts mit marmelade diesmal pancakes mit Ahornsirup. Und morgen Fr\u00fchst\u00fcck beim Chinesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der f\u00fcnfte Tag, 5. August 1991 Wir begeben uns wieder zu dem Coffee-shop gleich unten an der Ecke, 17te Stra\u00dfe, dritte Avenue. Zwei Stunden halten wir uns auf. Home-fries und drei sunny-side-up-and-flipped. Coffee. Die home-fries schwimmen in Fett, an den R\u00e4ndern sind sie schon etwas schwarz, doch die sunny-side-ups sind gut geflippt. 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