{"id":139,"date":"1990-05-01T11:30:59","date_gmt":"1990-05-01T11:30:59","guid":{"rendered":"http:\/\/schulzki-haddouti.de\/?p=139"},"modified":"2011-02-27T11:31:25","modified_gmt":"2011-02-27T11:31:25","slug":"kirchenpolitik-in-der-ddr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schulzki-haddouti.de\/?p=139","title":{"rendered":"Kirchenpolitik in der DDR"},"content":{"rendered":"<p><em>Die im\u00a0Fr\u00fchjahr 1990 verfasste kleine Abhandlung \u00fcber &#8222;Kirchenpolitik&#8220; war eine Trimesterarbeit im Fach &#8222;Politik&#8220; am Leibniz-Kolleg in T\u00fcbingen. Erstellen konnte ich sie nur, weil ich auf zahlreiche Quellen zur\u00fcckgreifen konnte, die ich im M\u00e4rz 1990 direkt vor Ort in Leipzig und Berlin erlangen konnte. Teilweise hatte ich Litfasss\u00e4ulen und Anschl\u00e4ge auf Schwarzen Brettern in Kirchen abfotografiert, teilweise hatten Aktivisten mir, einer 23-j\u00e4hrigen Studentin &#8222;von dr\u00fcben&#8220;, vertrauensvoll\u00a0ihre zweiten und dritten Durchschl\u00e4ge ihrer mit der Schreibmaschine geschriebenen Papiere \u00fcberlassen. F\u00fcr mich war das damals sehr aufregend, aber auch ein Vertrauensbeweis, der mich verpflichtete\u00a0&#8211; und damit wohl eine Art erste wirklich pr\u00e4gende journalistische Erfahrung.<\/em> <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/0a7afb1b8b186dbd7c188045889928\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<h2>Kirchenpolitik in der DDR<\/h2>\n<h3>Vorbemerkung<\/h3>\n<p>Die vorliegende Darstellung versteht sich vor allem als politikgeschichtliche Analyse. Obwohl es eine fast un\u00fcberblickbare Anzahl wissenschaftlicher Literatur \u00fcber das gesellschaftliche System der DDR und zahlreiche Spezialuntersuchungen gibt, so sind zur Stellung der Kirchen und zur Kirchenpolitik in der DDR ausser dem Standardwerk von Horst D\u00e4hn &#8222;Konfrontation oder Kooperation&#8220; \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Staat und Kirche im Zeitraum zwischen 1945 und 1980, keine wesentlichen umfassenden Publikationen erschienen. Daher habe ich mich in meiner Arbeit vor allem auf Prim\u00e4rquellen und Aufs\u00e4tze gest\u00fctzt.<\/p>\n<h3>Einleitung<\/h3>\n<p>Die seit der Gr\u00fcndung der DDR w\u00e4hrende Gratwanderung der Kirche zwischen Opposition und Opportunismus, sowie der SED bzw. des Staates zwischen ideologischem Totalanspruch und politischem Realismus pr\u00e4gte das Verh\u00e4ltnis von Kirche und Staat entscheidend. Die SED und der Stasi waren vier Jahrzehnte lang Synonym f\u00fcr einen Staat, der zusammenbrach, als ihn seine Besatzungsmacht ihn sich selbst \u00fcberliess. Heute, in der Zeit des \u00dcbergangs sehen sich Christ- wie Sozialdemokraten beschuldigt, dem Apparat zu Diensten gewesen zu sein.<\/p>\n<p>Die Besonderheit einer gesellschaftlichen Bedeutung der evangelischen Kirchen in der DDR liegt darin begr\u00fcndet, dass es in der ideologisch geschlossenen Gesellschaft der DDR keine Basis f\u00fcr gesellschaftskritische Initiativen gibt. Die Kirchen hingegen, die aus diesem System ausgegliedert sind, k\u00f6nnen einen relativen Freiraum bieten, der Diskussions- und Bewusstseinsprozesse gew\u00e4hrleistet, die ansonsten ausserhalb der Kirchen unm\u00f6glich w\u00e4ren. Diese Ausnahmestellung begr\u00fcndet ihr gr\u00f6sseres Gewicht als vergleichsweise in der Bundesrepublik.<\/p>\n<p>In der vorliegenden Arbeit soll es vor allem um die Frage gehen, welchen Weg die evangelische Kirche in der DDR einschlug, wie sie sich als &#8222;Kirche im Sozialismus&#8220; verstand und welche Rolle sie in den umw\u00e4lzenden Ereignissen des Jahres 1989 spielte.<br \/>\nDie Rolle der katholischen Kirche wird hier nicht behandelt. Bez\u00fcglich des politischen Umbruchs in der DDR ist sie zur Zeit umstritten. Manche sind versucht, den Katholiken in der DDR eine &#8222;konsequente Opposition&#8220; zu bescheinigen, andere wie der Berliner Bischof Sterzinsky \u00e4ussern sich kritisch:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Wir werden noch viel \u00fcberlegen m\u00fcssen, worin eigentlich unser Versagen auf katholischer Seite bestanden hat &#8230; Wir haben nicht zu hoffen gewagt, dass Demonstrationen, Willensbekundungen und Willens\u00e4usserungen zu einem Erfolg f\u00fchren k\u00f6nnten. Wir haben deshalb bedauerlicherweise uns sehr zur\u00fcckgehalten und viel zu wenig an den Vorbereitungen des Neuaufbruchs beteiligt.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Auf katholischer Seite erkl\u00e4rt man sich diese Zur\u00fcckhaltung weniger durch die zahlenm\u00e4ssige Minderheit, als durch das katholischen Selbstverst\u00e4ndnis. Die katholische Kirche verstand sich als Bekenntnisgemeinschaft, die in ihrer Bindung an Rom die Distanz zum Staat wahrte. Dass dieses universalkirchliche Verst\u00e4ndnis zuweilen mit pastoralen Notwendigkeiten in Konflikt geriet und sich die Distanz zur Gesellschaft vergr\u00f6\u00dferte, wurde in Kauf genommen:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Die katholische Laien\u00f6ffentlichkeit in der DDR hatte nur eine winzige Basis: die Pastoralsynode am Anfang der 70er Jahre, das Mittragen der Gottesdienste auf den Aussenstationen, die Gruppen der Diakonatshelfer, die Eltern, die in der Katechese mitwirkten, den Fernkurs Theologie, die Berufsgruppen in den Bildungsh\u00e4usern, die Familienkreise, die geistlichen Gemeinschaften.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Aktivit\u00e4ten dieser Gruppen blieben immer innerhalb des kirchlichen Raumes, sie besch\u00e4ftigten sich nicht wie die Gruppen unter dem Dach der evangelischen Kirche mit gesellschaftspolitisch relevanten Themen.<\/p>\n<h3>1. Konfrontation in den 50er und 60er Jahren<\/h3>\n<p>In den Jahren unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg, als die DDR noch Sowjetische Besatzungszone (SBZ) hiess, bem\u00fchte sich die KPD bzw. die SED noch um Toleranz gegen\u00fcber den Kirchen. Die Kirche wurde taktisch als B\u00fcndnispartner f\u00fcr einen &#8222;friedlichen \u00dcbergang vom Kapitalismus zum Sozialismus&#8220; begriffen. &#8222;Dasselbe gesellschaftliche Ziel: Herstellung von `Gerechtigkeit und Frieden` auf der Erde&#8220; wurde seitens der SED beschworen. Gleichzeitig wurden auf dem Vereinigungsparteitag vom 21.4.46 in den &#8222;Grunds\u00e4tzen und Zielen&#8220; die &#8222;Trennung der Kirche von Staat und Schule&#8220; beschlossen, aber auch die &#8222;Gesinnungs- und Religionsfreiheit&#8220; anerkannt. Hier bereits deutete sich der sp\u00e4tere Hauptkonflikt zwischen Kirche und Staat an: die Kirche sollte die Bildungshoheit des Staates anerkennen.<\/p>\n<p>In den drei Jahren bis zur Gr\u00fcndung der DDR wurde die Sozialistische Einheitspartei in eine bolschewistische Kaderpartei verwandelt. Der Marxismus-Leninismus und der Antifaschismus als dessen besondere Auspr\u00e4gung gaben die Legitimationsbasis der DDR ab.<\/p>\n<p>Als Grotewohl im Juli 1950 auf dem 3. SED-Parteitag forderte, die Grundlagen des Marxismus-Leninismus in das Lehrprogramm aufzunehmen, der Kirche jedoch alleine die Freiheit des Theologiestudiums zuzugestehen, begann eine jahrzehntelange Auseinandersetzung. Der Marxismus-Leninismus als Basis eines atheistischen Erziehungssystems stellte die Legitimation anderer Glaubens- und Wertvorstellungen in Frage. Die Rechtfertigungsbasis f\u00fcr die Kirche war das in der Verfassung verankerte Recht, zu allen Lebensfragen Stellung zu nehmen, sowie der Satz &#8222;Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen&#8220; (Apg 5,29).<\/p>\n<p>Wie wirkten sich diese ideologischen Differenzen tats\u00e4chlich aus?<\/p>\n<h5>1.1. Eine &#8222;atheistische Gegenkirche&#8220;<\/h5>\n<p>Die Chancengleichheit im Bildungsbereich war nicht gew\u00e4hrleistet. Von der ideologischen Einstellung hing die Zulassung zur EOS, zum Abitur und letztlich zur Universit\u00e4t ab. Die Jugendarbeit der Kirche wurde massiv behindert. Mitglieder der &#8222;Jungen Gemeinde &#8220; wurden zun\u00e4chst lediglich diffamiert, wenn sie ein Bekenntniszeichen trugen. In der Folgezeit ging die SED jedoch wesentlich aggressiver vor und versuchte die &#8222;Junge Gemeinde&#8220;, die einzige legale Repr\u00e4sentantin der DDR-Jugend neben der FDJ, als &#8222;unerlaubte Organisation&#8220; zu kriminalisieren.<\/p>\n<p>Als Provokation seitens der SED kann die in den sozialistischen L\u00e4ndern Osteuropas als einmalige Einrichtung vorkommende Jugendweihe aufgefasst werden. Zwar wurde das Gemeindeleben nicht so stark wie in der Sowjetunion unterdr\u00fcckt, doch versuchte man ein \u00fcberzeugendes Konkurrenzunternehmen aufzubauen. Die Jugendweihe wurde von der SED als gesellschaftliche Einrichtung vorgestellt, deren Teilnahme auf freiwilliger Basis erfolge. Sowohl die evangelische, als auch die katholische Kirchenleitung waren sich dar i n einig, dass sie nicht mit Konfirmation bzw. Kommunion und Firmung zu vereinbaren w\u00e4re. Das eine schliesse das andere aus. Ab 1957 wurde seitens der SED die staatliche Werbung f\u00fcr die Jugendweihe und damit der Konfrontationskurs gegen die Kirchen verst\u00e4rkt. Die Jugendweihe wurde zur die Voraussetzung f\u00fcr den Zugang zur EOS. Es wurde sogar zum &#8222;systematischen Kampf gegen den christlichen Glauben&#8220; aufgerufen und in der Folger wurden der Religionsunterricht in Schulr\u00e4umen, sogar die Seelsorge in Krankenh\u00e4user behindert.<\/p>\n<p>Viele Zeichen standen nun f\u00fcr die Errichtung einer &#8222;atheistischen Gegenkirche&#8220;. Kirchliche Sakramente und Kulthandlungen wurden systematisch kopiert: die Namensnennung erfolgte sozialistisch, verheiratet und beerdigt wurde man sozialistisch, die Jugendweih e wurde mit staatlichen Machtmitteln durchgesetzt, der Schulunterrichts wurde im Geiste der marxistisch-leninistischen Weltanschauung ausgerichtet und der christliche Glaube war etwas, das es zu bek\u00e4mpfen galt.<br \/>\nWie begegnete die Kirche diesen gegen sie gerichteten Massnahmen?<\/p>\n<h5>1.2. Zeichen einer Entspannung<\/h5>\n<p>1958 kam es zu einer Aussprache zwischen Teilen der evangelischen Kirchenleitung und der Regierung. Bischof Mitzenheim pl\u00e4dierte f\u00fcr ein &#8222;gutes Nebeneinander von Kirche und Staat&#8220;. Was den strittigen Religionsunterricht an den staatlichen Schulen &#8211; es gab nur staatliche &#8211; anbelangte, einigte man sich darauf, dass der Religionsunterricht als ausserschulische Veranstaltung erst nacheiner Zwei-Stunden-Pause stattfinden sollte.<br \/>\nDas &#8222;Kommuniqu\u00e8 vom 21.7.58&#8220; wurde allgemein als Zeichen der Entspannung gewertet: Die Kirche &#8222;respektiert die Entwicklung zum Sozialismus&#8220;. Diese Aussage sollte in den folgenden Jahren die Grundlage f\u00fcr normale Beziehungen zwischen Staat und evangelischer Kirche bilden. Jedoch kam die SED in der Frage der Jugendweihe der Kirche nicht entgegen.<\/p>\n<p>In der &#8222;Programmatischen Erkl\u00e4rung&#8220; vor der Volkskammer stellte Walter Ulbricht am 4.10.60 zum ersten Male fest, dass &#8222;Christentum und die humanistischen Ziele des Sozialismus (&#8230;) keine Gegens\u00e4tze (sind)&#8220;, wohingegen die meisten Kirchenf\u00fchrer seine Auffassung nicht teilten. An der grunds\u00e4tzlichen Situation der Christen in der DDR \u00e4nderte sich n\u00e4mlich nichts.<\/p>\n<p>Allerdings konnte die Kirche Teilerfolge erringen:<br \/>\n1962 war die allgemeine Wehrpflicht, 1964 waren die Baueinheiten eingef\u00fchrt worden. Aus religi\u00f6sen Gr\u00fcnden durfte der Wehrdienst ohne ein vorausgehendes spezielles Pr\u00fcfungsverfahren verweigert werden. In Baueinheiten konnte man seit dem 2.9.64 den &#8222;Dienst oh ne Waffe&#8220; ableisten. Es gab keine Bef\u00f6rderung und keine Degradierung, man musste auch keinen Fahneneid, lediglich ein Gel\u00f6bnis sprechen.<br \/>\nPro Jahrgang nahmen ca. 350 junge M\u00e4nner diese M\u00f6glichkeit in Anspruch, unter denen sich \u00dcberdurchschnittlich viele als \u00fcberzeugte Christen bezeichneten.<br \/>\nDie 50er und 60er Jahre werden durch Dauerkonflikte im Erziehungsbereich bestimmt. Allerdings k\u00f6nnen die Kirchen alle \u00c4mter autonom besetzen, sie geniessen Kultusfreiheit, k\u00f6nnen Caritas und Diakonie frei aus\u00fcben, auch das Kirchenverm\u00f6gen bleibt bestehen. Die Kirchensteuer kann weiterhin freiwillig bezahlt werden, zum Teil gew\u00e4hrt der Staat sogar Steuerbefreiung und Zuwendungen.<\/p>\n<h5>1.3. Der Bund der evangelischen Kirchen in der DDR<\/h5>\n<p>Das ZK der SED berichtete dem VII. Parteitag 1967, dass &#8222;die Mehrheit der religi\u00f6s gebundenen B\u00fcrger und viele Amtstr\u00e4ger der Kirche (&#8230;) an der allseitigen St\u00e4rkung des sozialistischen Staates beim umfassenden Aufbau des Sozialismus&#8220; teilnehmen. Der Parteitag empfahl in der Folge die Ausarbeitung einer neuen Verfassung, deren Entwurf im Januar 1968 \u00f6ffentlich zur Diskussion gestellt wurde.<\/p>\n<p>Auch die Kirchen bezogen positiv Stellung. Bischof Mitzenheim erkl\u00e4rte fast programmatisch:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Wir wollen nicht Kirche gegen den Sozialismus sein, sondern Kirche f\u00fcr die B\u00fcrger in der DDR, die in einer sozialistischen Gesellschaft mit ungekr\u00e4nktem Gewissen Christen sein und bleiben wollen&#8220;.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Verfassung schlie\u00dflich erkannte unter der Voraussetzung die Kirche als &#8222;kultischen Block&#8220; an, dass der &#8222;real-existierende Sozialismus&#8220; nicht in Frage gestellt wurde.<br \/>\nEin Religionsartikel wurde in die Verfassung der DDR vom 9.4.1968 aufgenommen: &#8222;Glaubens- und Gewissensfreiheit sind&#8220; nach Artikel 20 (1) &#8222;gew\u00e4hrleistet&#8220;.<\/p>\n<p>Hiermit entstand eine neue kirchenrechtliche Situation. Seit dem 13.8.1961, dem Tag des Mauerbaus, tagten die EKD-Organe nur noch getrennt. Jetzt wurde innerhalb der Kirche diskutiert, ob nicht &#8222;aus der Verfassung f\u00fcr die Existenz der Kirchen im Sozialismus vern\u00fcnftige Schlussfolgerungen zu ziehen&#8220; sind. Sollten die Staatsgrenzen der DDR auch die Grenzen f\u00fcr die kirchliche Organisation bilden?<\/p>\n<p>Um in der Gesellschaft der DDR konkreter handeln zu k\u00f6nnen, entschlossen sich die acht Landeskirchen der DDR und ihre Synoden den Bund der Evangelischen Kirchen der DDR zu gr\u00fcnden. Die Ordnung des BEK trat am 10.6.1969 in Kraft.<\/p>\n<h4>2. Entspannung in den 70er Jahren<\/h4>\n<h5>2.1. &#8222;Kirche im Sozialismus&#8220;<\/h5>\n<p>Auf der Synode in Eisenach im Juli 1971 wurde eine Koexistenzformel f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis von Staat und Kirche gepr\u00e4gt, die ihren festen Platz im kirchenpolitischen Vokabular und dar\u00fcber hinaus gefunden hat:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Eine Zeugnis- und Dienstgemeinschaft von Kirchen in der DDR wird ihren Ort genau zu bedenken haben: In dieser so gepr\u00e4gten Gesellschaft, nicht neben ihr, nicht gegen sie. Sie wird die Freiheit ihres Zeugnisses und Dienstes bewahren m\u00fcssen.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>In den folgenden Jahren wurde regelm\u00e4ssig \u00fcber ihre tats\u00e4chliche Bedeutung diskutiert. Den einen ging das &#8222;im&#8220; wesentlich zu weit und werteten es als Verrat an der eigenen Sache. Urspr\u00fcnglich als reine geographische Ortsbestimmung gedacht, weitete sich der Begriff &#8222;Kirche im Sozialismus&#8220; zur politischen und theologischen Standortbestimmung aus. Alle Fragen und Probleme wurden seither unter dieser neuen Rollendefinition analysiert. Im Grunde besass die Kirche nur die M\u00f6glichkeit der politischen Pr\u00e4senz, nicht aber die der politischen Einflussnahme.<\/p>\n<p>Zum ersten hochoffiziellen Treffen zwischen Vertretern der Kirchenleitung und der Staatsf\u00fchrung kam es am 6. M\u00e4rz 1978. Erich Honecker traf sich mit dem Vorstand der Konferenz der Evangelischen Kirchenleitungen (KKL). Als gemeinsamer Nenner wurde in diesem Grundsatzgespr\u00e4ch seitens Honecker das Mitwirken an humanistischen Zielen des Sozialismus, seitens der Kirche die Bereitschaft zum &#8222;Handeln f\u00fcr alle Menschen&#8220; genannt. Die Kirche wurde somit als eigenst\u00e4ndige Organisation mit gesellschaftlicher Relevanz an erkannt. An dem Prinzip der Trennung zwischen Staat und Kirche wollten beide Seiten strikt festhalten. Bischof Sch\u00f6nherr stellte einschr\u00e4nkend fest, &#8222;das Verh\u00e4ltnis zwischen Staat und Kirche sei so gut, wie es der einzelne christliche B\u00fcrger in seiner gesellschaftlichen Situation vor Ort erf\u00e4hrt.&#8220; Die Kurzformel &#8222;Kirche im Sozialismus&#8220; galt seitdem &#8222;als Ausdruck eines Fundamentalkonsenses zwischen Staat und Kirche&#8220;.<\/p>\n<p>Das Gespr\u00e4ch hatte die M\u00f6glichkeiten der Kirche merklich erweitert, ihre Vorstellungen auch \u00f6ffentlich zur Geltung zu bringen. Die Grundkonflikte der vergangenen Jahre schwelten allerdings weiter, neue entstanden durch die Einf\u00fchrung des Wehrunterrichts im Sommer 1978.<\/p>\n<h5>2.2. Spannungs- und Kooperationsfelder<\/h5>\n<h5>2.2.1. Die Einf\u00fchrung des Wehrunterrichts<\/h5>\n<p>Im Laufe der 70er Jahre verst\u00e4rkten sich die Militarisierungstendenzen des Staates, die den Boden f\u00fcr die sich dagegen wehrende Friedensbewegung bereiteten. Die atheistische Erziehung wurde als Prozess der Befreiung die Menschen von einem &#8222;illusorischen Gl\u00fcck, das ihm der christliche Glaube vermittelt&#8220; verstanden. Die sozialistische Sch\u00fclerpers\u00f6nlichkeit sollte von einem wissenschaftlich fundierten Weltbild gepr\u00e4gt werden und einen festen Klassenstandpunkt einnehmen. Ein Erziehungsziel war ein klares Feindbild zu aufzubauen:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;den Hass gegen den Imperialismus und seine bewaffneten S\u00f6ldner tiefer in den Herzen der Jugendlichen zu verwurzeln&#8220;.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Staatsb\u00fcrgerkunde allein reichte daf\u00fcr nicht ganz aus. Die zentralen Elemente der &#8222;sozialistischen Wehrerziehung&#8220;, die Wehrbereitschaft zum einen, die durch die Wehrmotivation, das Wehrbewusstsein und die Wehrmoral erzeugt wurde, und die Wehrbef\u00e4higung zum anderen, sollten im Wehrunterricht den Jugendlichen angeeignet werden:<\/p>\n<p>Am 1.2.78 wurde beschlossen, den Wehrunterricht als obligatorisches Fach in den 9. und 10. Klassen der allgemein bildenden polytechnischen Oberschule zum 1.9. einzuf\u00fchren. Der Kirchenbund legte f\u00f6rmlichen Widerspruch bei der Regierung ein und entwarf ein kirchliches Gegenprogramm: &#8222;Erziehung zum Frieden&#8220;. Kirchliche Friedensarbeitskreise entstanden.<\/p>\n<p>Ausserunterrichtliche Formen der Wehrerziehung, wie zum Beispiel die Hans-Beimler-Wettk\u00e4mpfe oder die vormilit\u00e4rische Ausbildung im Rahmen der GST gab es schon l\u00e4nger. Auch die Freizeit der Kinder und Jugendlichen war strikt organisiert. Von der 1. bis zu 3. Klasse geh\u00f6rten sie zu den Jungpionieren, von der 4. bis zur 7. den Th\u00e4lmannpionieren an, um dann per Jugendweihe feierlich in die FDJ aufgenommen zu werden. Da Jugendweihe und Konfirmation sich einander aufgrund des Vetos der Kirchen ausschlossen, konnten christliche Sch\u00fcler nicht Mitglied der FDJ werden. Man warf ihnen &#8222;gesellschaftliche Unzuverl\u00e4ssigkeit&#8220; vor und verweigerte ihnen den Zugang zur EOS oder zum Studium. Dies nahm der Kirchenbund besorgt zur Kenntnis, um in Einzelf\u00e4llen mit den verantwortlichen staatlichen Stellen &#8211; nicht immer mit Erfolg &#8211; zu verhandeln.<\/p>\n<h5>2.2.2. Grund- und Menschenrechte<\/h5>\n<p>Der Kampf gegen den Rassismus war ein Anwendungsfall f\u00fcr die Realisierung der allgemeinen Menschenrechte. Die Kirchen bekannten sich eindeutig zum Anti-Rassismus-Programm des \u00d6RK. Schon 1968 stellten sie fest, dass Rassendiskriminierung (&#8230;) eine krasse Leugnung des christlichen Glaubens (&#8230;), gekoppelt mit wirtschaftlicher und politischer Ausbeutung&#8220; ist.<\/p>\n<p>Das \u00d6kumene-Verst\u00e4ndnis \u00e4u\u00dferte sich vor allem als Solidarit\u00e4t mit den unterdr\u00fcckten V\u00f6lkern in der Zwei-Drittel-Welt. Nicht immer wurden jedoch Verbindungen zu den Problemen in der eigenen Gesellschaft gezogen, so auch beim Thema Rassismus. Man konzentrierte sich auf den Rassismus im s\u00fcdlichen Afrika, die bereits latent vorhandene Diskriminierungen im eigenen Land wurden allerdings von der Diskussion ausgeklammert. Erst in den 80er Jahren verlagerte sich die Aufmerksamkeit auf die Probleme im eigenen Land:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;\u00d6kumene gibt es auch vor der eigenen Haust\u00fcr; die Fragen von Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Sch\u00f6pfung stehen auch daheim an, im eigenen Lande. Viele unserer \u00f6kumenischen Partner blicken mit Spannung auf die Erfahrungen unserer Kirche in der sozialistischen Gesellschaft. Wir k\u00f6nnten auch nicht glaubw\u00fcrdig f\u00fcr Frieden und Gerechtigkeit in der weiten Welt eintreten, wenn wir nicht zu Hause dieselben Ziele verfolgten.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Fast ebenso charakteristisch f\u00fcr die 70er Jahre ist die auf die positiven Seiten beschr\u00e4nkte Darstellung und Vermittlung des Kirche-Sozialismus-Verh\u00e4ltnis seitens der Kirchen. So setzte sich die evangelische Kirche nur vorsichtig f\u00fcr die Realisierung der KSZE-Schlussakte von Helsinki (1975) ein. Die im Korb III der Schlussakte geforderte uneingeschr\u00e4nkte zwischenmenschliche und -staatliche Kommunikation konnte direkt auf die Verh\u00e4ltnisse in der DDR bezogen werden. Die Kirche, konfrontiert mit der desolaten Reise- und Besuchssituation, wandte gegen\u00fcber dem Staat lediglich ein, dass das Vertrauen des Staates nicht missbraucht werden w\u00fcrde und qualifizierte Arbeitskr\u00e4fte die DDR be i durchl\u00e4ssigeren Grenzen nicht verlassen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Nur in Einzelf\u00e4llen half die Kirche bei der Familienzusammenf\u00fchrung. Ein Hinweis auf kirchliches Engagement mag sein, dass die Magdeburger Kirchenleitung in diesem Zusammenhang darauf verweist, dass die staatlichen Beh\u00f6rden in letzter Zeit das Stellen von Ausreiseantr\u00e4gen als &#8222;rechtswidrig&#8220; einstufen. Jedoch gab es keinen \u00f6ffentlichen Protest gegen dieses staatliche Vorgehen bzw. keine Forderungen nach generellen L\u00f6sungen.<\/p>\n<h5>2.2.3. Diakonie<\/h5>\n<p>Die Mitarbeit der Kirchen in der Gesundheits- und Sozialpolitik wurde nie als staatsstrukturgef\u00e4hrdend angesehen. Im Gegenteil, die SED begr\u00fcsste das kirchliche Engagement, das den Staat finanziell und personell entlastete. Vor allem gesellschaftliche Randgruppen wurden durch die Gemeinde- und Anstaltsdiakonie versorgt: Alte, K\u00f6rperbehinderte, psychisch Kranke, Suchtkranke und -gef\u00e4hrdete, sowie sozial Gef\u00e4hrdete. Die Kirche sah in dieser Aufgabe &#8222;eine der Seiten des Lebens selbst&#8220; (Sch\u00f6nherr) bzw. eine &#8222;Lebens- und Wesens\u00e4usserung&#8220; der Kirche. Durch das kirchliche Auffangen von gesellschaftlichen Aussenseitern \u00fcbte die Kirche in gewisser Weise eine gesellschaftliche Mittler- bzw. Pufferfunktion aus.<\/p>\n<p>Die diakonische T\u00e4tigkeit der Kirche kann auch als \u00fcberzeugender Beweis f\u00fcr die These gewertet werden, dass die Kirche keine Machtposition in der Gesellschaft einnehmen will, sondern sie lediglich um den Dienst der Liebe an allen Menschen bem\u00fcht ist. Andererseits bem\u00fchte sich der SED-Staat auch, das \u00f6ffentliche Wirken der Kirchen auf die Bereiche Caritas und Kultus zu beschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich feststellen, dass die Situation im Verh\u00e4ltnis zwischen Staat und Kirche sich gegen\u00fcber den ersten zwei Jahrzehnten wesentlich ge\u00e4ndert hatte. Zwar kann man nicht von einer harmonischen Zusammenarbeit sprechen, doch wurde in der Formel &#8222;Kirche im Sozialismus&#8220; die Lage weitgehend akzeptiert. Das Gespr\u00e4ch vom 6. M\u00e4rz 1978 stellt einen wesentlichen Einschnitt in das beiderseitige Verh\u00e4ltnis dar. Die n\u00e4chsten zehn Jahren sollten unter dem Zeichen des Dialogs stehen. Der innergesellschaftliche Dialog wurde von den entstehenden Basisgruppen immer dr\u00e4ngender gefordert, die Kirche in eine Mittlerrolle zwischen B\u00fcrger und Staat gedr\u00e4ngt.<\/p>\n<h4>3. Kirche in den 80er Jahren<\/h4>\n<p>Die politische Kultur des demokratischen Auf- und Umbruchs wurde entscheidend in den 80er Jahren gepr\u00e4gt. Im wesentlichen wurde sie von den vier Faktoren: Staat, B\u00fcrger, Kirche und Reformbewegung in der Sowjetunion bestimmt:<\/p>\n<p>Mit seinem Amtsantritt als Generalsekret\u00e4r der KPdSU im M\u00e4rz 1985 k\u00fcndigte Michail Gorbatschow grundlegende Reformen an. In der DDR hoffte man zun\u00e4chst auch darauf, dass die SED, wie bisher auch, dem Kurs der Schwesterpartei folgen w\u00fcrde. Jedoch schottete sie sich von den Reformbestrebungen Gorbatschows ab. Stabilit\u00e4t wird beschworen und Honecker bezeichnet &#8222;jede Kursabweichung als Marsch in die Anarchie&#8220;.<\/p>\n<p>Der damalige Staatssekret\u00e4r f\u00fcr Kirchenfragen, Gregor Gysi warnte sogar in einem Gespr\u00e4ch im Mai 1987 mit dem Vorstand der KKL davor,<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Gorbatschows Initiativen nicht auf die DDR zu \u00fcbertragen und generelle L\u00f6sungen einzufordern, wo man bislang mit &#8222;Einzelfallregelungen doch gute Erfahrungen gemacht&#8220; habe&#8220;.<\/p><\/blockquote>\n<p>Bei diesem Treffen kritisierte er ebenfalls die innergesellschaftliche Kritik aus kirchlichen Kreisen, die im Laufe der 80er Jahre Anlass f\u00fcr kirchenpolitische Krisen gewesen war. 1981\/82 belastete die Auseinandersetzung um die Initiative &#8222;Sozialer Friedensdienst&#8220; und den Aufn\u00e4her &#8222;Schwerter zu Pflugscharen&#8220; die kirchlich-staatlichen Beziehungen, so auch der im April 1987 auf der G\u00f6rlitzer Bundessynode gestellte Antrag einer &#8222;Absage an Praxis und Prinzip d er Abgrenzung&#8220;.<\/p>\n<p>Diese Initiativen und Gruppen wurden von einer kleinen Minderheit engagierter B\u00fcrger getragen, die Mehrheit jedoch hatte sich resigniert in die innere Emigration begeben und sich auf das Privatleben konzentriert. Die Amtskirche konnte im staatlich-kirchlichen Dialog kleine Fortschritte erzielen, wurde allerdings zunehmend in ihrer \u00f6ffentlichen T\u00e4tigkeit behindert.<\/p>\n<h5>3.1. Oppositionsgruppen unter dem &#8222;Dach der Kirche&#8220;<\/h5>\n<p>Die Diskrepanz zwischen der in den staatlichen Medien geschilderten Wirklichkeit und den Alltagserfahrungen wurde immer st\u00e4rker, ebenso die Angst der SED vor der unbequemen Wahrheit, vor der Schadenfreude missg\u00fcnstiger ausl\u00e4ndischer Beobachter.<br \/>\nIn der &#8222;Jungen Gemeinde&#8220; und vor allem in zahlreichen Friedens-, Menschenrechts-, Umwelt-, Dritte-Welt- und Frauengruppen, sp\u00e4ter in der &#8222;Initiative f\u00fcr Friedens- und Menschenrechte&#8220; und im &#8222;Netzwerk Arche&#8220; wurden staatlich tabuisierte Themen offen diskutiert und verschiedenste Aktivit\u00e4ten entwickelt.<\/p>\n<p>Die Kirche verhielt sich gegen\u00fcber diesen Basis- oder Randgruppen sehr unterschiedlich. Einige Gemeinden stellten ihnen lediglich R\u00e4ume zur Verf\u00fcgung, in anderen engagierte sich auch der Pfarrer selbst. In den Gemeinden, Synoden und Kirchenleitungen wurde das Verh\u00e4ltnis zu diesen Grupppen lebhaft diskutiert. Ohne den Schutz der Kirchen w\u00fcrden diese Gefahr laufen, kriminalisiert zu werden, da sie sich ausserhalb des gesellschaftlichpolitischen und normativen Rahmen des sozialistischen Staates bewegten. Die Eigenst\u00e4ndigkeit, die die Kirchen als einzige Grossgruppen in diesem gesellschaftlichen System besassen, gew\u00e4hrte ihnen den sonst verwehrten Freiraum. Die Gruppen beanspruchten Schutz unter dem Dach der Kirche, der ihnen nach dem Selbstverst\u00e4ndnis der Kirche als &#8222;offen f\u00fcr alle&#8220; auch zustand. Damit sa\u00df jedoch die Kirche zwischen zwei St\u00fchlen. Zum einen machten die Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsgruppen Probleme bewusst, die innerhalb der Gesellschaft, aber auch im Raum der Kirche verdeckt und unterdr\u00fcckt erschienen, zum anderen brachten sie damit Unruhe in die Kirchen und belasteten das Verh\u00e4ltnis zum Staat. Der Vorsitzende der KKL distanzierte sich von der Rolle der Kirche als Opposition in dem Gespr\u00e4ch mit dem Staatsratsvorsitzenden Honecker am 3.3. 1988:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Wir sehen unsere Aufgabe nicht darin, eine Oppositionspartei zu sein oder Akklamationen abzugeben. Vielmehr gilt: Wo wir sagen k\u00f6nne, &#8222;Gott sei Dank!&#8220;, werden wir zur Mitarbeit bereit sein. Wo wir dies nicht verm\u00f6gen, werden wir uns zu Wort melden und freim\u00fctig sprechen.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<h5>3.1.1. Friedensgruppen<\/h5>\n<p>Nur in kirchlichen Kreisen war es legitim individualistische und pazifistische Motive \u00f6ffentlich zu \u00e4ussern, ohne deshalb mit beruflichen Konsequenzen aufgrund &#8222;gesellschaftlicher Unzuverl\u00e4ssigkeit&#8220; rechnen zu m\u00fcssen. Die zunehmenden Militarisierungstenden zen in der Gesellschaft der DDR in den 70er Jahren erzeugten eine Gegenbewegung. Vehement protestierte die Kirche in Reaktion auf die staatlichen Massnahmen gegen die Einf\u00fchrung des Wehrunterrichts im Jahre 1978. Man bem\u00fchte sich um eine konzipierte Friedensarbeit und die ersten Friedensarbeitskreise entstanden unter dem &#8222;Dach der Kirche&#8220;.<\/p>\n<p>Die Diskussion wurde 1979 durch die Friedensinitiative Breschnews: Abzug von 20.000 Soldaten und 2.000 Panzern aus der DDR, und durch die Auseinandersetzungen im Westen um den NATO-Doppelbeschluss angeheizt. Die SED initiierte eine Unterschriftenaktion f\u00fcr eine &#8222;Willenserkl\u00e4rung&#8220; des Volkes f\u00fcr den Frieden, die sich gegen die Stationierung neuerNATO-Rakten, d.h. gegen den NATO-Doppelbeschluss richtete. Sie wurde von der Kirche wegen dem Aufbau von Feindbildern kritisiert: Es hiess darin:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Wir unterst\u00fctzen die Friedensinitiative Leonid Breschnews. Wir brauchen \u00fcberall Vernunft und guten Willen statt R\u00fcstungswahn und Kriegspolitik&#8220;.<\/p><\/blockquote>\n<p>Aufgrund der Ereignisse in Polen verh\u00e4rtete sich im Herbst 1980 die Innen- und Aussenpolitik der DDR, was sich ebenfalls auf den kirchlichen Bereich auswirkte. Die Berichterstattung von Synoden wurden mehrfach untersagt und evangelischen Kirchenzeitungen wurden zensiert.<\/p>\n<p>Im November fand eine erste landesweite Friedensdekade der evangelischen Jugend statt, die den Aufn\u00e4her &#8222;Schwerter zu Pflugscharen&#8220; propagierte. Verf\u00e4nglicherweise war dies das Abbild des von der Sowjetunion der UNO in New York geschenkten Standbildes. Der Aufn\u00e4her hatte schnell grossen Erfolg und wurde von vielen Jugendlichen getragen, die damit auch ihre Kritik an der Staatspolitik oder sogar am Staat selbst demonstrieren wollten. Da das Zeichen urspr\u00fcnglich von dem sozialistischen Bruderland Sowjetunion gesetzt worden war, befand sich die SED in einer Zwicklage. Nach einigen Unsicherheiten verbot sie schliesslich das Tragen dieser Aufn\u00e4her.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 1981 wurde von Mitgliedern und Mitarbeitern der Kirche im Dresdner Raum der Vorschlag eines Sozialen Friedensdienstes (SoFd) als M\u00f6glichkeit der Wehrdienstverweigerung gemacht. Ein breite Diskussion entfachte sich. Die SED reagierte harsch und versuchte die Kirche in ihre Schranken zu verweisen: Aktionen f\u00fcr den SoFD seien friedens-, sozialismus- und verfassungsfeindlich. Die Kirche sollte sich nicht in Richtung einer politischen Opposition gegen das System bet\u00e4tigen.<br \/>\n&#8222;Die Kirche will diese Grenze auch nicht \u00fcberschreiten, verteidigt aber ausdr\u00fccklich ihre Pflicht und das Recht die Christen innerhalb des DDR-Systems die Frage nach Friedensbereitschaft und Friedensf\u00e4higkeit als kritische Elle an Politik und Praxis des St aates zu legen.&#8220;<\/p>\n<p>Der Frieden wurde zum kirchlichen Politikum und zum Thema auf den Herbstsynoden im Oktober und November 1981. Zur ersten \u00f6ffentlichen, staatlich unabh\u00e4ngigen politischen Versammlung kam es am 13.2.1982, dem 37. Jahrestag der Zerst\u00f6rung Dresdens, in der Dresdner Kreuzkirche. 5000 B\u00fcrger diskutierten \u00fcber den Frieden. Ein Kommentar aus der Bundesrepublik sah dieses Ereignis als Geburtsstunde der Friedensbewegung in der DDR, die zun\u00e4chst von Basisgruppen in den Gemeinden ausgegangen war. Tats\u00e4chlich hatte sie ihre Wurzeln in den Auseinandersetzungen um den NATO-Doppelbeschluss und Breschnews Friedensinitiative. Von ei ner eigentlichen Friedensbewegung wie in der Bundesrepublik kann man jedoch nur eingeschr\u00e4nkt sprechen, wenn man die Zersplitterung in viele Basisgruppen in den Gemeinden ber\u00fccksichtigt. Erst im M\u00e4rz 1983 trafen sich zum ersten Mal Basisgruppen aus der ge s amten DDR zum Ersten Zentralen Friedensseminar in Ost-Berlin. Die Vertreter sprachen sich f\u00fcr einen anderen, gerechteren Sozialismus aus. Sie verstanden sich nicht als Abgeordnete einer &#8222;Kirche im Sozialismus&#8220;.<\/p>\n<h5>3.1.2. Umweltgruppen<\/h5>\n<p>Verst\u00e4rkt Anfang der 80er Jahre sahen kirchliche Umweltgruppen in den \u00f6kologischen Problemen ein neues Feld gesellschaftlicher Mitverantwortung. Sie sahen den Frieden in der Welt und das Weiter- bzw. \u00dcberleben der Menschheit durch das weltweite Wettr\u00fcsten bedroht und die nat\u00fcrlichen Lebensbedingungen durch die wissenschaftlich-technische Entwicklung wachsender Industriegesellschaften ebenfalls in h\u00f6chstem Masse gef\u00e4hrdet. Die Gruppen versuchten nun auch in den sozialistischen Industriegesellschaften das Bew usststein f\u00fcr die gesellschaftliche Relevanz zu wecken und bem\u00fchtensich, L\u00f6sungsans\u00e4tze in Bereichen des \u00f6kologischen und technisch-hygienischem Umweltschutz zu erarbeiten.<\/p>\n<p>An sich kann die sozialistische Gesellschaftsordnung durch ihre zentrale Organisation und langfristige Planung die institutionellen, insbesondere normativen Voraussetzungen bieten. Sie wird aber durch finanzielle Schwierigkeiten &#8211; Devisenmangel &#8211; in ihren Aktivit\u00e4ten gehemmt. Die Umweltgef\u00e4hrdung wurde durch den sozialistischen Staat nicht geleugnet, jedoch argumentierte er damit, dass sie im Kapitalismus systembedingt, im Sozialismus aber lediglich Zeichen unzureichender Erkenntnis und Handhabungsm\u00f6glichkeiten sei. Es gibt keine &#8222;\u00f6kologische Krise&#8220;, denn diese w\u00e4re systemunabh\u00e4ngig.<\/p>\n<p>Unter Christen sind drei Denkmuster zu finden: Zum einen herrscht in biblizistischen Kreisen die Wissenschafts- und Technikfeindlichkeit vor, zum anderen ist auch ein starker Wissenschafts- und Technikoptimismus verbreitet, zum dritten schliesslich vertritt die pragmatische Seite die Meinung, dass die Theologie in diesen Fragen keine Rolle spiele, allein wissenschaftlich-technische Probleml\u00f6sungen seien gefragt. Als L\u00f6sungswege wird von den einen ein neuer Lebensstil, eine Sensibilisierung gefordert, von den anderen die Mitarbeit jedes Einzelnen in der sozialistischen Gesellschaft und die konkrete Einflussnahme.<\/p>\n<p>Basisgruppen formierten sich in einzelnen Gemeinden. Ausgehend von der Genesis traten sie f\u00fcr die Verantwortung f\u00fcr die Sch\u00f6pfung und ihre Bewahrung ein. Die Arbeit der Umweltgruppen war von Gemeinde zu Gemeinde verschieden stark ausgepr\u00e4gt. Die einen vers tanden sich als Bibelkreise, die anderen sammelten dar\u00fcber hinaus Informationen und legten Umweltbibliotheken an.<\/p>\n<h5>3.1.3. Ausreiseproblematik<\/h5>\n<p>Die Ausreiseproblematik versch\u00e4rfte sich zunehmend seit 1987. Das Problem als solches war nicht neu. Immer wieder hatten die evangelischen Kirchen dazu aufgerufen, im Lande zu bleiben. Neben der Verbesserung der Reisem\u00f6glichkeiten dr\u00e4ngten sie vor allem de n Staat, die gesellschaftlichen Voraussetzungen zu schaffen, dass die Menschen sich nicht mehr gen\u00f6tigt sehen, ihre Heimat zu verlassen. Seit Jahren versuchten beide Kirchen, teilweise erfolgreich, in Einzelf\u00e4llen zu vermitteln und die mit einem Ausreisea n trag verbundenen Schwierigkeiten &#8211; Berufsverlust, lange Wartezeiten, gesellschaftliche Diskriminierung &#8211; zu mindern.<\/p>\n<p>Im April 1987 war von der Berliner Bartholom\u00e4us-Gmeinde auf der Berlin-Brandenburger Synode der Antrag einer &#8222;Absage an Praxis und Prinzip der Abgrenzung&#8220; eingebracht worden. Kirchenamtlich war es ein nicht legitimiertes Diskussionspapier, das auf der Bundessynode in G\u00f6rlitz zwar besprochen, nicht jedoch verabschiedet wurde. Auch wenn solche Initiativen die politischen M\u00f6glichkeiten der Kirchen \u00fcberstiegen, so forderten sie doch zum Gespr\u00e4ch mit den Staatsvertretern auf. In diesem Dialog wurde das politische System unter Druck gesetzt, hinreichend genug, um das Verh\u00e4ltnis zwischen Kirche und Staat erneut zu belasten. Die Initiative war insofern von grosser Tragweite, als dass sie nebst f\u00fcnf konkreten Forderungen der Liberalisierung der Reisepraxis an ein Tabu r\u00fchrte: den &#8222;antifaschistischen Schutzwall&#8220; vom 13.August 1961. Sie verwies auf die negativen Folgen dieser Abgrenzungspolitik, die die Menschen in die innere und \u00e4ussere Em igration trieb.<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Sie richtet sich zugleich gegen die im Verh\u00e4ltnis von Staat und Kirchegeltenden Spielregeln vertraulicher Gespr\u00e4che, wodurch sich &#8211; wo generelle L\u00f6sungen nicht zu erreichen sind &#8211; in Einzelf\u00e4llen manches regeln l\u00e4sst.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Der offene Dialog , der von allen Betroffenen nachzuvollziehen sein sollte, sei nur unter zwei Augen m\u00f6glich, was eine weitere Form der Abgrenzung darstellte. Als Gysi im Mai 1987 im Gespr\u00e4ch mit dem Vorstand der KKL mahnt, &#8222;nicht generelle L\u00f6sungen einzufordern, wo man bislan g mit &#8218;Einzelfallregelungen doch gute Erfahrungen gemacht habe'&#8220;, ist dies als direkte Reaktion der SED auf diesen Antrag zu sehen.<\/p>\n<p>Die Ausreiseproblematik belastete das Verh\u00e4ltnis zwischen Kirche und Staat schwer. Ende 1987 begannen sich die Ausreisewilligen zu organisieren, wobei sie, wie andere Gruppen, den Schutzraum der Kirche nutzten. Sie versuchten durch \u00f6ffentliche Aktionen auf sich aufmerksam zu machen.<\/p>\n<p>Bei der Luxemburg-Liebknecht-Demonstration am 17. Januar 1988 kam es in Berlin zu Verhaftungen. In Leipzig solidarisierten sich Basisgruppen mit den Verhafteten und die Kirche verhalf auch den Ausreisewilligen unter den Verhafteten zu rechtlichem Beistand. Gemeinden in vielen St\u00e4dten der DDR organisierten F\u00fcrbitteandachten, \u00e4hnlich den Mahnwachen nach den Festnahmen in der Umweltbibliothek im November 1987. Wie akut die Krise war, zeigte sich bei der Er\u00f6ffnung einer kirchlichen Anlaufstelle f\u00fcr Ausreisewilli ge in Ost-Berlin. Sie musste schon nach einem Tag unter dem Andrang der vielen Leute wieder geschlossen werden. Besondere Kontakt- oder Seelsogestellen f\u00fcr die Ausreiseantragssteller wurden nach diesem Versuch nicht mehr eingerichtet.<\/p>\n<h5>3.2. Zensur und inoffizielle Publizistik<\/h5>\n<blockquote><p>&#8222;In dem Ausmass, in dem die Partei sich dem \u00f6ffentlichen Dialog \u00fcber gesellschaftliche Konflikte verweigert, werden die Kirchen zum Gegenpart der eingeschr\u00e4nkten \u00d6ffentlichkeit, die die politische F\u00fchrung vermittelt.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Die evangelischen Kirchenzeitungen hatten sich, anders wie die parteih\u00f6rigen Medien, vorgenommen auch im gesellschaftlichen Bereich &#8218;heisse Eisen anzufassen, Tabus zu durchbrechen und Probleme ins \u00f6ffentliche Bewusstsein zu heben. Die SED hingegen verlangte, dass Informationen vor allem dazu n\u00fctzlich sein sollten, das &#8222;sozialistische Bewusstsein&#8220; in der Bev\u00f6lkerung zu wecken und zu formen. Kritische Themen wurden ausgespart, weil sie die SED nicht nur in einen Erkl\u00e4rungszwang gebracht h\u00e4tte, sondern vor allem ihren dogmatischen F\u00fchrungsrolle gef\u00e4hrdet h\u00e4tte. Dadurch entstand eine &#8222;absurde Diskrepanz zwischen Bild und Wirklichkeit, die f\u00fcr die Massenmedien der DDR so typisch ist&#8220;. Der Staat verf\u00fcgte \u00fcber das Medienmonopol und bestimmte, was gedruckt und verbreitet werden durfte. Die Zensur erfolgte \u00fcber den vorgeschriebenen Vertrieb \u00fcber die Post. Vertreter des Presseamtes gaben die Kirchenzeitungen erst nach Durchsicht zur Auslieferung frei. Wiederholt griff die staatliche Zensur 1988 in kirchliche Ver\u00f6ffentlichungen ein. Das Presseamt warf der Kirche vor, die Trennung von Staat und Kirche nicht ber\u00fccksichtigt und sich in staatliche Angelegenheiten eingemischt zu haben. Das Presseamt zensierte folgenden Themenkatalog: Ausb\u00fcrgerung und \u00dcbersiedlung, Umweltschutz , Wehrdienst und Wehrdienstverweigerung, Schule und Erziehung, schliesslich Menschenrechte.<\/p>\n<p>Die Pressefreiheit in der DDR erwachte sehr zaghaft Anfang der 80er Jahre mit dem Erscheinen der politisch orientierten Informationsbl\u00e4tter und Zeitschriften im Zusammenhang mit den entstehenden Friedens-, \u00d6kologie-, 3.Welt-, Menschenrechts- und Frauen-Initiativen. Zumeist beanspruchten sie den Schutz der evangelischen Kirche per Hinweis &#8222;nur zum innerkirchlichen Dienstgebrauch&#8220;, womit diese Schriften von der staatlichen Druckgenehmigungspflicht ausgenommen waren.<br \/>\nBeispielsweise gab der inzwischen schon legend\u00e4re &#8222;Friedens- und Umweltkreis der Zionskirchgemeinde&#8220; in Ost-Berlin seit September 1986 monatlich die hektographierten &#8222;Umweltbl\u00e4tter&#8220; heraus. Sie besch\u00e4ftigten sich schwerpunktsm\u00e4ssig mit Umwelt-, Menschenrechts- und Friedensfragen, berichteten von aktuellen Ereignissen, die nicht oder nur unzureichend in der Tagespresse behandelt worden waren. Die Zionskirch-Gemeinde stellte im vierw\u00f6chigen Turnus R\u00e4ume f\u00fcr Diskussionsveranstaltungen zur Verf\u00fcgung. Seit November 1987 kam es des \u00f6fteren zu staatlichen \u00dcbergriffen auf die ebenfalls dort ans\u00e4ssige Umweltbibliothek, die dort neben anderen inoffiziellen Zeitschriften, wie &#8222;Wendezeit&#8220;, &#8222;Informationen und Texte&#8220; vom Referat Friedensabteilung der Theologisch en Studienabteilung, der &#8222;Grenzfall&#8220; auch westliche Zeitschriften ausliegen hatte. Die Umweltbibliotheken entwickelten sich zu alternativen Kommunikationszentren, die \u00fcber Umweltfragen hinaus eine erweiterte Informationsm\u00f6glichkeit boten. Sie erm\u00f6glichten auch den zersplitterten Umweltgruppen sich \u00fcberregional zu organisieren.<\/p>\n<h4>4. Die Wende 1989 und ihr Vorspiel<\/h4>\n<p>Welche historischen Zeichen deuteten die Wende an, wie und wann wurde sie vorbereitet?<\/p>\n<p>1989 mit dem Verbot des &#8222;Sputnik&#8220;, der Massenflucht der DDR-B\u00fcrger \u00fcber die Botschaften in Prag und Warschau und der Grenz\u00f6ffnung in Ungarn? Oder schon 1987, als sich die westliche Welt von der Ernsthaftigkeit der sowjetischen System\u00f6ffnung \u00fcberzeugte und die Satellitenstaaten die Wahl hatten, den Weg innerer Liberalisierung mitzugehen, die DDR sich jedoch stur stellte? Oder gar bereits 1961 mit dem von Erich Honecker forcierten Mauerbau? Oder mit dem Aufstand am 17. Juni 1953?<\/p>\n<p>Jedes dieser Ereignisse pr\u00e4gte das gesellschaftspolitische System der DDR nachhaltig, doch entscheidend war, als am 7. Oktober 1989 feststand, dass die sowjetischen Truppen einen Befreiungsversuch nicht niederschlagen w\u00fcrden und einen NVA-Einsatz weder mit Panzern noch Soldaten unterst\u00fctzen w\u00fcrden. Die Besatzungsmacht Sowjetunion machte nun mit Perestroika und Glasnost auch in der DDR ernst. Egon Krenz handelte nur folgerichtig, als er Honeckers Order wieder zur\u00fccknahm. Die Mauer\u00f6ffnung am 9. November 1989 war dann der letzte m\u00f6gliche Schritt einer SED, die vor dem Volkszorn mit dem R\u00fccken an der Wand stand.<\/p>\n<p>Sicher ist jedoch auch, dass ohne einen Bewusstseinswandel innerhalb der Bev\u00f6lkerung die Wende nicht stattgefunden h\u00e4tte. Nach jahrzehntelanger b\u00fcrokratischer Bevormundung und f\u00fcgsamen Sich- Arrangieren gewann sie an Zivilcourage und wagte den Widerstand. Sie forderte eine demokratische Umgestaltung, die hin zu einer neuen Gesellschaftsordnung oder zur \u00dcbernahme der in der Bundesrepublik vorhandenen f\u00fchren konnte.<\/p>\n<h5>4.1. Innenpolitischer Druck und Dialogversuche<\/h5>\n<p>Die Kirche war zum einzigen Dialogpartner f\u00fcr wartende Ausreisewillige, f\u00fcr Verfolgte und Wehrdienstverweigerer geworden. Nachdem 1987 vor allem durch staatliche Zensur Druck auf die Kirchen ausge\u00fcbt worden war, versch\u00e4rfte sich die Situation 1988. Die Fronten bestanden weniger zwischen Amtskirche und Staat, als zwischen den meist in der Kirche ans\u00e4ssigen Oppositionsgruppen und dem Staat.<\/p>\n<p>Am 3.3.1988 kam es nach zehn Jahren wieder zu einem Treffen von Vertretern von Kirche und Staat. Der Vorsitzende des KKL, Dr. Leich traf sich mit Erich Honecker. &#8222;Konstruktiv, sachlich, freim\u00fctig&#8220; soll es laut DDR-Medien gewesen sein, doch der Dialog sollt e sich nicht auf den unteren Ebenen fortsetzen. Die SED versch\u00e4rfte in der unmittelbaren Folgezeit ihren Kurs gegen\u00fcber der Kirche und den unter deren Dach Hilfesuchenden. Kurz nach dem Gespr\u00e4ch kam es zu Festnahmen und Kontrollen von Gottesdienstbesucher n . Der schwankende SED-Kurs der Unsicherheit f\u00fchrte auch zu Unsicherheiten innerhalb der Kirche. Wie weit konnte man gehen, wie viele Kompromisse konnte man schliessen?<\/p>\n<p>Das allmont\u00e4gliche Leipziger &#8222;Friedensgebet&#8220; in der Nikolaikirche hatte sich, wie auch \u00e4hnliche kirchliche Veranstaltungen, in den vergangenen Jahren zu einem Forum f\u00fcr all die Menschen entwickelt, die in Konflikt mit der Staatsmacht gekommen waren. Vor al lem Ausreisewillige und Wehrdienstverweigerer artikulierten sich in den F\u00fcrbitten. Dies geschah allerdings nicht ohne beh\u00f6rdlichen Druck auf die Kirche und die Betroffenen. Pfarrer wurden ausdr\u00fccklich ermahnt, Ausreisewillige nicht zu unterst\u00fctzen. In Tauschgesch\u00e4ften mit der Kirche versuchte der Staat die Ausreiseproblematik zu entsch\u00e4rfen und l\u00f6ste damit auch grosse Auseinandersetzungen zwischen Kirchenbasis und Kirchenleitung aus.<\/p>\n<h5>4.2. Kursverh\u00e4rtung und revolution\u00e4rer Aufbruch<\/h5>\n<p>Im Herbst 1988 h\u00e4uften sich die Zeichen der Verunsicherung der SED. Drastische Massnahmen werden ergriffen, um den Kurs bzw. die Stellung zu halten.<\/p>\n<p>Als in der sowjetischen Zeitschrift &#8222;Sputnik&#8220; im November 1988 stalinkritische Artikel ver\u00f6ffentlich wurden und in der Folge die Auslieferung der deutschen und der sowjetischen Ausgabe in der DDR verhindert wurde, vereinte dieses Vorgehen Parteilose wie Parteigenossen in bisher wohl einmaliger Emp\u00f6rung. Eine betr\u00e4chtliche Zahl von Protestschreiben an das ZK wendeten sich gegen dieses Vorgehen, etliche traten aus der Partei aus.<\/p>\n<p>Jedoch war die Sputnik-Aff\u00e4re nur ein Versuch unter vielen anderen, die B\u00fcrger weiterhin zu entm\u00fcndigen. F\u00fcnf Sowjetische Filme, darunter &#8222;Die Kommissarin&#8220; von Alexander Askoldov, die &#8222;Budapester Rundschau&#8220;, Diskussionen \u00fcber Glasnost und Perestroika wurden ebenfalls verboten. Zensureingriffe in die Kirchenpresse waren an der Tagesordnung.<\/p>\n<p>Immer noch waren waren nur einzelne Gruppen aktiv, die von staatlicher Seite unter massiven Druck gesetzt wurden. Ende November h\u00e4uften sich die Nachrichten \u00fcber die Verhaftung von Mitgliedern kirchlicher Menschenrechts- und Friedensgruppen, die f\u00fcr Reform en in der DDR eingetreten waren. Zu erneuten Verhaftungen kam es auch im Vorfeld der Luxemburg-Liebknecht-Demonstration im Januar 1989 in Leipzig: Ein Flugblatt hatte zu einer unabh\u00e4ngigen Demonstration aufgerufen. Die meisten Verhafteten geh\u00f6rten der Initiativgruppe Leben (IGL) oder deren Umfeld an. Die Mitglieder dieser Gruppe versuchten sich mit demonstrativen Aktionen zu artikulieren, um so aus den Grenzen offizieller und kirchlicher M\u00f6glichkeiten herauszukommen.<\/p>\n<p>Der allgemeine Unmut entlud sich erst sp\u00e4t. Selbst bei den Kommunalwahlem im Mai 1989, wo durch kirchennahe b\u00fcrgerkomitee\u00e4hnliche Gruppen eklatante F\u00e4lschungen nachgewiesen wurden, kam es noch nicht zu solidarischen Aktionen. Jedoch wurde die Amtskirche &#8211; ohne Erfolg &#8211; bei allen R\u00e4ten der Bezirke vorstellig. Offiziell wurde die Angelegenheit so gut wie totgeschwiegen. Erhebliche Unsicherheit l\u00f6ste die Rechtfertigung der blutigen Niederschlagung der Studentenprotestes auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking als Antwort &#8222;auf den konterrevolution\u00e4ren Aufstand einer extremistischen Minderheit&#8220; aus.<\/p>\n<p>Den Startschuss f\u00fcr die Fl\u00fcchtlingswelle, die die ersch\u00fctterten Grundfesten des Staates v\u00f6llig untersp\u00fclen sollte, gab im Mai Ungarn mit dem Abbau der Grenzbefestigungen.<\/p>\n<p>Die Situation im Land wurde \u00e4usserst angespannt. Die evangelischen Kirchenleitungen warnten noch im Juni, &#8222;\u00fcbertriebene Aktionen oder Demonstrationen&#8220; seien &#8222;keine Mittel der Kirche&#8220;, forderten aber auch Reiseerleichterungen, &#8222;um den Aderlass zu stoppen&#8220;. Die evangelische Kirche vermied es wie bisher, si ch als politische Opposition zu erkl\u00e4ren. Sie stellte die sozialistische Verfassung der DDR und den dort verankerten F\u00fchrungsanspruch der Partei nie in Frage. Dennoch nahm sie Stellung und verlangte auf der Bundessynode im Septemer Demonstrationsfreiheit, Parteienvielfalt und freie Wahlen.<br \/>\nZahlreiche politische Gruppierungen konstituierten sich im September und Oktober und forderten die demokratische Umgestaltung der DDR. Vom Inneministerium wurden sie f\u00fcrillegal und &#8222;staatsfeindlich&#8220; erkl\u00e4rt. Die Demonstrationen nach den Friedensgebeten in Leipzig und Dresden wurden immer un\u00fcberh\u00f6rbarer. Ende September forderten in Leipzig ca. 6000 Menschen Reise-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Kirchenverantwortliche nutzten die Verbindungen zu den Beh\u00f6rden, um durch Vertrauensbildung Gewaltlosigkeit z u erzeugen.<\/p>\n<p>Die Ereignisse vom 7. bis zum 9. Oktober werden von vielen als die eigentliche Wende gedeutet.<\/p>\n<p>Am 7. Oktober wurde trotz dieser dramatischen Ereignisse das 40. Staatsjubil\u00e4um gefeiert. In vielen St\u00e4dten protestierten Tausende gegen die Staatsf\u00fchrung, es kam zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. 70.000 Menschen versammelten sich am 9.10 in Leipzig nach dem Friedensgebet zur ersten Massendemonstration. &#8222;Wir sind das Volk&#8220;, &#8222;Keine Gewalt&#8220;, &#8222;Gorbi&#8220;, &#8222;Neues Forum zulassen&#8220; waren die dominanten Sprechch\u00f6re. Die Atmosph\u00e4re war sehr angespannt. Der Beifall der SED f\u00fcr die blutige Niederschlagung des Stude ntenaufstandes im Fr\u00fchling diesen Jahres stand allen vor Augen. Vorausgegangen waren dem Friedensgebet Drohungen in der Presse:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;&#8230; um diese konterrevolution\u00e4ren Aktionen endg\u00fcltig und wirksam zu unterbinden. Wenn es sein muss, mit der Waffe in der Hand!&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Tats\u00e4chlich befanden sich Betriebskampfgruppen, Polizei und Armee in Alarmbereitschaft. Warum es letztendlich doch noch friedlich abging, ist heute noch nicht ganz gekl\u00e4rt. Es scheint jedoch sicher zu sein, dass die SED keine R\u00fcckendeckung mehr von der KPd SU bekam und so dem Druck des Volkes nach Reformen nachgeben musste.<\/p>\n<h4>5. Neuorientierung<\/h4>\n<h5>5.1. Die kirchliche Vermittlerrolle w\u00e4hrend der \u00dcbergangsregierung Modrow<\/h5>\n<p>Am 9. November \u00f6ffnete sich die Mauer nach 28 Jahren wieder. Nachdem sich Egon Krenz als Nachfolger Erich Honeckers ebenfalls nicht halten konnte, begann mit der Wahl Hans Modrows am 13. November zum neuen Regierungschef die gemeinsame Suche von B\u00fcrgern und Regierung nach dem besten Weg zu einer gesellschaftlich-politischen Eigenst\u00e4ndigkeit.<\/p>\n<p>Die Kirche zog sich nicht zur\u00fcck, sondern nahm auch weiterhin eine Mittlerrolle ein, um den demokratischen Erneuerungsprozess voranzubringen. Am &#8222;Runden Tisch&#8220; versammelten sich unter kirchlichem Vorsitz die politischen Kr\u00e4fte des Landes, die Initiatoren d er Wende aus den ehemaligen kirchlichen Gruppen und die Vertreter der neuen SED, sp\u00e4ter SED-PDS. Von SED bis Gr\u00fcne wollten alle unter der kirchlichen Leitung tagen, da sie auf die Uneigenn\u00fctzigkeit der Kirche vertrauten. Gregor Gysi w\u00fcrdigte in seinem Grundsatzreferat beim Parteitag Mitte Dezember die Rolle der Kirche vor und w\u00e4hrend der Wende:<\/p>\n<p>&#8222;Nicht erst in letzter Zeit hat sich ihre F\u00e4higkeit erwiesen, verantwortungsbewusst und sehr sensibel auf gesellschaftliche Prozesse zu reagieren und auf sie einzuwirken. Die Kirchen haben in einer Zeit der Emotionen, berechtigter Emp\u00f6rung, der Erbitterung und des Zorns immer wieder, auch \u00f6ffentlich, zu Augenmass und Gewaltlosigkeit gemahnt.&#8220;<\/p>\n<p>Angesichts der t\u00e4glich neuen Enth\u00fcllungen \u00fcber die Korruption der alten SED-F\u00fchrung, \u00fcber die Machenschaften der Staatssicherheit und der personellen Verstrickungen in den alten Machtapparat appellierte die Kirche an die B\u00fcrger, von Hass und Rachegedanken Abstand zu nahmen. Nur im Geist der Vers\u00f6hnung k\u00f6nnten die gegenw\u00e4rtigen Aufgaben gel\u00f6st werden. Auch jetzt gelte immer noch das Motto &#8222;Offen f\u00fcr alle&#8220;.<\/p>\n<p>In fast allen neuen Parteien und Gruppen sind Pfarrer \u00fcberdurchschnittlich vertreten &#8211; allerdings nur in Parteifunktion, nicht als Pfarrer &#8211; und arbeiten an der programmatischen Gestaltung mit. Die Losl\u00f6sung der Gruppen von der Kirche wurde von kirchlicher Seite durchaus begr\u00fcsst.<\/p>\n<p>Die SED hatte ihr die Weiterf\u00fchrung der politischen Stellvertretung angetragen, als sie den Dialog ausschliesslich mit SED-abh\u00e4ngigen gesellschaftlichen Organisationen und den Kirchen f\u00fchren wollte. Die Kirche forderte die SED hingegen auf, die neuen Grupp en und Parteien, wie beispielsweise das &#8222;Neue Forum&#8220;, anzuerkennen.<\/p>\n<h5>5.2. Ausblick<\/h5>\n<p>Ein Blick auf die schwarze Informationstafel in der Leipziger Nikolaikirche gab im M\u00e4rz 1990 gen\u00fcgend Aufschluss dar\u00fcber, mit welchen Themen sich die Kirche auch nach der Wende noch besch\u00e4ftigt. Sie reichten von einer Stellungnahme zur bevorstehenden Volks kammerwahl \u00fcber die &#8222;Orientierungshilfe zur Jugendweihe&#8220; bis zur &#8222;Loccumer Erkl\u00e4rung&#8220; des KKL vom 17.1.1990 und Aufs\u00e4tzen zur kirchenpolitischen Vergangenheitsbew\u00e4ltigung.<\/p>\n<p>In Loccum forderten Beauftragte des Kirchenbundes der DDR und des EKD die kirchliche und staatliche Einheit. Kritiker verurteilten die Schnelle der geforderten Vereinigung und bef\u00fcrchteten &#8222;die Gefahr, dass wir noch einmal, wie nach dem Zweiten Weltkrieg, die eigene Geschichte verdr\u00e4ngen und uns keine Raum f\u00fcr die notwenige Trauerarbeit lassen.&#8220;<\/p>\n<p>Die gesellschaftspolitische Stellvertreterrolle der Kirche hat allerdings mit der Volkskammerwahl vom 18. M\u00e4rz 1990 noch kein Ende. Unter den 400 neugew\u00e4hlten Abgeordneten sind 21 evangelische Theologen und zahlreiche haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter a us Kirchen verschiedener Konfession. Dem Kabinett des Ministerpr\u00e4sidenten Lothar de Maizi\u00e9re, der Vizepr\u00e4ses der Synode des evangelischen Kirchenbundes war, geh\u00f6ren vier evangelische Pfarrer an: Rainer Eppelmann, Hans-Wilhelm Ebeling, Markus Meckel und Gottfried M\u00fcller. Der pazifistische Ost-Berliner Pfarrer Rainer Eppelmann wurde zum neuen Verteidigungsminister berufen. Er, der einst &#8222;Frieden schaffen ohne Waffen&#8220; forderte, soll jetzt zur Entspannung zwischen den Machtbl\u00f6cken beitragen und forderte bereits eine drastische Verkleinerung der Bundeswehr.<\/p>\n<p>Es ist sehr wahrscheinlich, dass die politischen Programme der Parteien und das Geschehen in der Volkskammer von der christlich motivierten Einstellung dieser Kirchenleute zumindest teilweise gepr\u00e4gt werden. Abzuwarten bleibt, inwieweit sie auch in einem gesamtdeutschen Parlament vertreten sind.<\/p>\n<h4>Schlussbemerkung<\/h4>\n<p>Nachdem ich im Januar das traditionelle Friedensgebet in der Leipziger Nikolaikirche und die davon ausgehende Montagsdemonstration besucht hatte, war ich zutiefst von der Friedfertigkeit und dem politischen Willen der teilnehmenden Bev\u00f6lkerung beeindruckt. Vor allem interessierte mich, wie es zu diesem friedlichem Umbruch kommen konnte.<\/p>\n<p>Meiner Meinung nach wurde die SED nicht von der Kirche gest\u00fcrzt. Im wesentlichen war es der Verdienst der Oppositionsgruppen, die in den 80er Jahren, wurzelnd in der Friedensbewegung der 70er, zumeist unter dem Schutz der Kirchend\u00e4cher, gesellschaftspolitische Themen kritisch aufgriffen und Alternativen diskutierten. Vieles, was in diesen Gruppen gedanklich vorbereitet wurde, nahm die Kirche auf, um gegen\u00fcber dem Staat zu vertreten.<\/p>\n<p>Diese gegenseitige Wechselwirkung kanalisierte das kritische Potential, schuf ihm aber dadurch eine, wenn auch begrenzte, \u00d6ffentlichkeit. Mithilfe der aussenpolitischen Konstellation wurde seit sp\u00e4testens 1987 der Demokratisierungsprozess vorbereitet. Jetzt, nach dem Umbruch, konzentriert sich die Kirche verst\u00e4rkt auf ihre Aufgaben in der Diakonie und Seelsorge. Sie wird auch weiterhin den Dialog mit Staat und Gesellschaft suchen und, wo n\u00f6tig, Stellung beziehen.<\/p>\n<h3>Quellen und Literatur<\/h3>\n<h4>1. Quellen<\/h4>\n<h5>1.1. Periodika<\/h5>\n<ul>\n<li>Berliner Sonntagsblatt. Die Kirche.<\/li>\n<li>Berliner Evangelische Wochenzeitung. Berlin, 1989 ff.<\/li>\n<li>Der B\u00fcrger im Staat. Hrsg. v. der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung Baden-W\u00fcrttemberg. Stuttgart, 1990<\/li>\n<li>Der Spiegel. Das Deutsche Nachrichten-Magazin. Hamburg, 1980 ff.<\/li>\n<li>Deutschland Archiv. Zeitschrift f\u00fcr Fragen der DDR und der Deutschlandpolitik. K\u00f6ln, 1986 ff.<\/li>\n<li>Evangelischer Nachrichtendienst (ena) in der Deutschen Demokratischen Republik. Berlin\/DDR, Jahrgang 1990<\/li>\n<li>Frankfurter Allgemeine. Zeitung f\u00fcr Deutschland. Frankfurt\/M, einzelne Jahrg\u00e4nge<\/li>\n<li>Glaube und Heimat. Evangelisches Sonntagsblatt f\u00fcr Th\u00fcringen. Jahrgang 1989<\/li>\n<li>Kirche im Sozialismus. Materialien zu Entwicklungen in der DDR. Berlin, 1985 ff.<\/li>\n<li>Umweltbl\u00e4tter. Info-Blatt des Friedens- und Umweltkreises Zionskirchgemeinde. Berlin. 6\/1988, 8\/1988, 3\/1989<\/li>\n<\/ul>\n<h5>1.2. andere Quellen<\/h5>\n<ul>\n<li>Anti-Wahlkampfplakat: W. Ebeling, DSU: Und ich frage euch&#8230;&#8220;. Leipzig, M\u00e4rz 1990, Privatarchiv Christiane Schulzki ( = PA CS)<\/li>\n<li>Aufbruch 89 &#8211; Neues Forum. Gr\u00fcndungsaufruf des Neuen Forums. o.O., September 1989, PA CS<\/li>\n<li>Aufruf des Friedenskreises der Erl\u00f6ser-Gemeinde Berlin zur Unterst\u00fctzung der Kommunalwahlen in der DDR 1989, PA CS<\/li>\n<li>Ausz\u00fcge aus SPUTNIK 10\/88, inoffizielles hektographiertes Informationsmaterial. o.A., PA CS<\/li>\n<li>Beschluss der Synode des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR zu Fragen des innergesellschaftlichen Dialogs von der 4. Tagung der V. Synode vom 20.9.1988. Dessau, PA CS<\/li>\n<li>Erkl\u00e4rung des Konsistoriums der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg vom 10.10.1988 zur Pressezensur, o.A., PA CS<\/li>\n<li>Erkl\u00e4rung von Vertretern des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR und der Evangelischen Kirche in Deutschland am 18.1.1990 in Dresden: &#8222;Loccumer Erkl\u00e4rung&#8220;, PA CS<\/li>\n<li>Informationsblatt des &#8222;Demokratischen Aufbruchs&#8220; des Bezirksverbandes Leipzig im Landesverband Sachsen. Leipzig, 1990, PA CS<\/li>\n<li>Informationen 1989\/7 Nr. 261 zum NEUEN FORUM und zu anderen illegalen oppositionellen Gruppierungen in der DDR. o.A., PA CS<\/li>\n<li>\u00d6kol\u00f6wen, Arbeitsprogramm vom 2.2.1990, Leipzig, PA CS<\/li>\n<li>Pressemitteilung der KKL \u00fcber die Klausurtagung vom 11.-13.3.1988 in Bukow. o.A., PA CS<\/li>\n<li>Schnellinformation des Sekretariates des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR an die Empf\u00e4nger der Schnellinformation des Bundes vom 3.3.1988, Berlin. PA CS<\/li>\n<li>Schreiben des evangelischen Bischofs der Kirchenprovinz Sachsen, Christoph Demke. Magdeburg, August 1989, PA CS<\/li>\n<li>Schreiben vom 23.1.1990 des Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenamtes Sachsen: Orientierungshilfe zur Jugendweihe. Dresden, PA CS<\/li>\n<li>SPIEGEL-SPEZIAL, Nr. 2\/1990, 162 Tage Deutsche Geschichte. Hamburg, 1990<\/li>\n<li>taz, DDR, Journal zur Novemberrevolution. Frankfurt\/M, 1989<\/li>\n<li>taz, DDR, Journal Nr. 2. Die Wende der Wende. Frankfurt\/M, 1990<\/li>\n<li>Zeitung zur Wahl. Hrsg. Bundesvorstand der DSU, Leipzig, 1990, PA CS<\/li>\n<\/ul>\n<h4>Literatur und Aufs\u00e4tze<\/h4>\n<ul>\n<li>Bunz, Anke:Das Verh\u00e4ltnis von Staat und Kirche in der Sowjetunion. T\u00fcbingen, 1990<\/li>\n<li>D\u00e4hn, Horst: Konfrontation oder Kooperation? Das Verh\u00e4ltnis von Staat und Kirche in der SBZ\/DDR 1945 &#8211; 1980. Opladen, 1982<\/li>\n<li>F\u00fchrer, Christian: Gefahr &#8211; woher? Wie tauglich ist 1990 die alte Etikettierung rechts-links. Leipzig, 1990, PA CS<\/li>\n<li>F\u00fchrer, Christian: Friedensgebet am 09. Oktober in St. Nikolai. Leipzig, 1989, PA CS<\/li>\n<li>Garstecki Joachim: Um der \u00f6kumenischen Gemeinschaft willen. Kritische Fragen an die Kirche in unserem Land. o.A., PA CS<\/li>\n<li>Garstecki Joachim: \u00d6kumenische Versammlung in der DDR. in: DA 4\/1989, S. 418 ff.<\/li>\n<li>Hartmann, Matthias: Offene Fragen. Zur Neuorientierung der evangelischen Kirchen in der DDR. in: DA 4\/1990, S. 528 ff.<\/li>\n<li>Helwig, Gisela: &#8222;St\u00f6rf\u00e4lle&#8220;. Zum Dialog zwischen Kirche und Staat. in: DA 1988, S. 340 ff.<\/li>\n<li>Helwig, Gisela und Urban, Detlev (Hrsg.): Kirchen und Gesellschaft in beiden deutschen Staaten. K\u00f6ln, 1987<\/li>\n<li>Henkys, Reinhard: Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR. Witten, Berlin. 1980 (epd &#8211; dokumentation 1, hrsg. von H. Wolfgang Hessler)<\/li>\n<li>Henkys, Reinhard: Die Kirchen im Umbruch der DDR. in: DA 2\/1990, S. 177 ff.<\/li>\n<li>Henrich, Rolf: Der vormundschaftliche Staat. Vom Versagen des real existierenden Sozialismus. Reinbek, 1989<\/li>\n<li>Hildebrandt, Horst (Hrsg.): Die deutsche Verfassung des 19. und 20. Jahrhunderts. Paderborn8, 1974<\/li>\n<li>Mechtenberg, Theo: Kirche im Sozialismus. in: DA 4\/1988, S. 380 ff.<\/li>\n<li>Meyer, Gerd und Schr\u00f6der, J\u00fcrgen (Hrsg.): DDR heute. Wandlungstendenzen und Widerspr\u00fcche einer sozialistischen Industriegesellschaft. T\u00fcbingen, 1988<\/li>\n<li>Spittmann, Ilse: Weichenstellung f\u00fcr die neunziger Jahre. in: DA 12\/1988, S. 1249 ff.<\/li>\n<li>Wehling, Hans-Georg (Red.): Politische Kultur in der DDR. hrsg. v. der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung Baden-W\u00fcrttemberg. Stuttgart, Berlin, K\u00f6ln. 1989.<\/li>\n<li>Peter Wensierski, Wolfgang B\u00fcscher, Klaus Wolschner (Hrsg.): Friedensbewegung in der DDR. Texte 1978 &#8211; 1982. Hettingen, 1982<\/li>\n<li>Zagatta, Martin: Kirche als Ersatz\u00f6ffentlichkeit. in: Wehling, Hans-Georg (Red.): Politische Kultur in der DDR. hrsg. v. der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung Baden-W\u00fcrttemberg. Stuttgart, Berlin, K\u00f6ln. 1989. S. 66-80<\/li>\n<li>Zum Gebrauch des Begriffes Kirche im Sozialismus. Hrsg. von der Theologischen Studienabteilung beim Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR. Referat Weltanschauungsfragen. o.O., 1988 (Informationen und Texte 15)<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Abk\u00fcrzungen<\/h3>\n<p>BEK Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR<br \/>\nDA Deutschland Archiv<br \/>\nDDR Deutsche Demokratische Republik<br \/>\nFDJ Freie Deutsche Jugend<br \/>\nENA Evangelischer Nachrichtendienst<br \/>\nepd Evangelischer Pressedienst<br \/>\nEKD Evangelischer Kirche in Deutschland<br \/>\nEOS Erweiterte Oberschule<br \/>\nGST Gesellschaft f\u00fcr Sport und Technik<br \/>\nKiS Kirche im Sozialismus<br \/>\nKKL Konferenz der Evangelischen Kirchenleitungen<br \/>\nKSZE Konferenz f\u00fcr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa<br \/>\nLWB Lutherischer Weltbund<br \/>\n\u00d6RK \u00d6kumenischer Rat der Kirchen<br \/>\nPA CS Privatarchiv Christiane Schulzki<br \/>\nPDS Partei des Demokratischen Sozialismus<br \/>\nSBZ Sowjetische Besatzungszone (1945 bis 1949)<br \/>\nSED Sozialistische Einheitspartei Deutschlands<br \/>\nSoFd Sozialer Friedensdienst<br \/>\nZK Zentralkomitee<\/p>\n<h3>V. Material<\/h3>\n<ul>\n<li>Schwerter zu Pflugscharen (Foto, Nikolai-Kirche)<\/li>\n<li>Geschehen vom 9.\/10.10. (Foto, Nikolai-Kirche)<\/li>\n<li>gesellschaftl. Engagement der Kirche: DDR-Gef\u00e4ngnisse (Foto)<\/li>\n<li>Plakat Ebeling im Wahlkampf<\/li>\n<li>Cartoon AZ<\/li>\n<li>Interview mit Thomas \u00fcber \u00d6kol\u00f6we<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die im\u00a0Fr\u00fchjahr 1990 verfasste kleine Abhandlung \u00fcber &#8222;Kirchenpolitik&#8220; war eine Trimesterarbeit im Fach &#8222;Politik&#8220; am Leibniz-Kolleg in T\u00fcbingen. Erstellen konnte ich sie nur, weil ich auf zahlreiche Quellen zur\u00fcckgreifen konnte, die ich im M\u00e4rz 1990 direkt vor Ort in Leipzig und Berlin erlangen konnte. 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