Auf der Suche nach dem Vernachlässigten
Geschrieben von Christiane Schulzki-Haddouti   
Mittwoch, 30. Januar 2008

Wie das Recherchieren für die Initiative Nachrichtenaufklärung funktioniert, erklärt dieser im Band "Vergessen? Verschwiegen? Verdrängt?" erschienene Beitrag, den ich gemeinsam mit Prof. Dr. Horst Pöttker 2007 herausgegeben habe. Eine wesentliche Herausforderung der Projektarbeit besteht nicht nur darin, Studierende in kürzester Zeit mit investigativer Recherche vertraut zu machen, sondern auch die Arbeit verschiedener Recherche-Seminare an drei Hochschulen zu koordinieren.

Auf der Suche nach dem Vernachlässigten

Demokratie kann nur auf Basis eines ausgewogenen Spiels der Kräfte funktionieren. Öffentlichkeit ist hierbei ein ausgezeichnetes Mittel, um dieses Spiel am Laufen zu halten. Medien, die Öffentlichkeit herstellen, werden deshalb sogar als „Vierte Macht“ bezeichnet. Sie werden dann zur Macht, wenn sie nicht nur als Vermittler der öffentlichen Meinung auftreten, sondern durch ihr Agieren selbst Gesellschaft gestalten. Hauptaufgabe der Medien ist es, Öffentlichkeit durch Transparenz herzustellen. Je mehr relevante Informationen Bürger erhalten, desto eher sind sie in der Lage, sich eine Meinung zu bilden und mündig Entscheidungen zu treffen. Die Medien stehen damit im Dienste des öffentlichen Interesses auf Wissen und Bildung.

Was passiert jedoch, wenn Medien ihrem Informationsauftrag nicht oder nur teilweise nachkommen? Wenn sie Themen nicht bearbeiten, weil der aktuelle Aufhänger oder das Personal vor Ort fehlt? Weil ein Anzeigenkunde sich an einem bestimmten Thema stören könnte oder weil ein Thema ein kulturelles Tabu brechen würde? Oder gar, weil schlicht und einfach der Platz fehlt? Wichtiger Platz, der aber für Themen genutzt wird, über die bereits im Überfluss berichtet wird. Immer wieder gibt es auch Themen, deren Recherche schwierig ist, ja teilweise von Interessengruppen absichtlich erschwert, wenn nicht gar behindert wird.

Recherchieren an mehreren Hochschulen

Die „Initiative Nachrichtenaufklärung“ (INA) versucht, vernachlässigten Themen und Nachrichten auf die Spur zu kommen. Zu diesem Zwecke veröffentlicht sie jährlich eine Top-Ten-Liste, die diese Themen einer breiten Öffentlichkeit kenntlich und zugänglich macht. An der Themenauswahl des Jahres 2006 haben rund 90 Studierende mitgewirkt – im Rahmen von Recherche-Seminaren am Institut für Journalistik der Universität Dortmund, am Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Bonn sowie am Fachbereich Informations und Wissensmanagement der Hochschule Darmstadt. In den Jahren zuvor waren außerdem Studierende des Studiengangs „Medien-Planung, -Entwicklung und -Beratung“ der Universität Siegen sowie des Instituts für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster an der Recherche-Arbeit der INA beteiligt.

Die hochschulübergreifende Recherche wird seit 2006 über das „Blackboard“, eine netzbasierte integrierte Lern- und Lehrumgebung der Hochschule Darmstadt, organisiert. Dabei besteht die besondere Herausforderung darin, das in den Recherchen erworbene Spezialwissen semester- und kursübergreifend zugänglich zu machen. Von zentraler Bedeutung ist das über Jahre gesammelte Fachwissen der Dozenten, das in einem kontinuierlich auf den neusten Stand gebrachten Leitfaden Niederschlag findet. Ebenso wichtig ist die Sammlung von Rechercheprotokollen und Juryberichten an der Universität Dortmund, aber auch die fortlaufende Aktualisierung einer Liste mit hilfreichen Experten. Studierende, die gleiche oder ähnliche Themen wie ihre Vorgänger behandeln, können so schnell auf deren Rechercheergebnisse zugreifen und von dem über die Jahre angewachsenen Expertennetz profitieren.

Chronische Lücken

Bis heute gibt es nur wenige wissenschaftliche Arbeiten, die versuchen, eine konsequente Aussparung bestimmter Bereiche aufzuspüren. 1997 stellte etwa eine Studie ostdeutscher Medienwissenschaftler über die MDR-Programmstruktur fest, „dass im Vergleich zu den Belangen der Politiker, Unternehmer und Manager, der im Kulturleben oder im Bereich des Sports Aktiven die Belange von Ausländern, Arbeitslosen, sozial Schwachen, von Frauen und Jugendlichen und von Arbeitnehmern wenig bis sehr wenig berücksichtigt werden“ (Pöttker 1999: 168).

Auch die Initiative Nachrichtenaufklärung stellt regelmäßig Defizite in der sozialen Berichterstattung fest: So berichten Medien zu wenig über die Situation von Asylbewerbern. Die Lage sozial schwacher, alter oder chronisch kranker Menschen ist ebenfalls ein Thema, das regelmäßig auf der Top-Ten-Liste der vernachlässigten Themen landet. Im Jahr 2004 waren gleich zwei Asylthemen prominent vertreten. Obgleich die Medienberichterstattung sich vernehmlich mit Politik beschäftigt, gibt es auch hier immer wieder Defizite – so werden Bürger nur selten gründlich über die Bedeutung und Funktionsweisen europäischer und internationaler Einrichtungen aufgeklärt. Militärische und geheimdienstliche Angelegenheiten werden – gemessen an ihrer gesellschaftlichen Relevanz – ebenfalls wenig behandelt. 2004 schaffte es ein Thema in die Top-Ten-Liste, das sowohl die Europäische Union als auch das Militär betrifft: Unter dem Titel „Auf dem
Weg in die Europäische Militärunion“
wies die Initiative Nachrichtenaufklärung auf die in den Medien kaum thematisierte Selbstverpflichtung der EU-Mitgliedsstaaten hin, ihre militärischen Kapazitäten zu steigern. Ein weiteres europäisches Thema, das die Sicherheit von Atomkraftwerken betrifft, wurde ebenfalls in die Liste aufgenommen.

Auch Verbraucherthemen und komplizierte technische Sachverhalte mit gesellschaftlicher Relevanz gehören zu den Dauergästen auf der Liste – 2005 waren sie besonders prominent auf den Plätzen 2 bis 4 vertreten. Obgleich in diesem Jahr gleich mehrere interessante Korruptionsthemen auf der Auswahlliste der Jury standen, schaffte es keines in die Top Ten. Zum einen war die  orruption in diesem Jahr kein wirklich vernachlässigtes Thema in den Medien. Zum anderen kann die Initiative nur schwer Fälle aufgreifen, deren Hintergrund nicht eindeutig feststeht. Interessierten Journalisten stellt die INA jedoch zur weiteren Recherche nähere Informationen zu den Fällen zur Verfügung.

Die Recherche des Vernachlässigten

Wie aber kann man das Vernachlässigte ausfindig und öffentlich machen? Die Initiative Nachrichtenaufklärung versucht, vernachlässigte Themen auf zweierlei Weise aufzuspüren. Zum einen setzt sie darauf, dass Bürger, Experten und Organisationen Themen einreichen, die sie für relevant und vernachlässigt halten. Aufmerksam auf die Initiative werden viele Einreicher durch die Veröffentlichung der Top-Ten-Liste in den Medien. Die INA pflegt aber zum anderen auch zahlreiche Kontakte zu Journalisten, Experten und Nicht- Regierungsorganisationen und baut diese kontinuierlich aus. Unter anderem können den Gesprächen mit Experten und Organisationen, die im Zuge der Recherchen kontaktiert werden, neue Themenvorschläge entspringen. Auch diese werden wiederum überprüft. Auf diese Weise erreichen die INA jährlich im Durchschnitt rund 140 Themenvorschläge. Über 100 davon werden nicht an die Jury weitergeleitet, weil sie entweder sachlich nicht richtig oder nicht vernachlässigt sind.

Die Vorschläge werden in den Recherche-Seminaren auf die drei Kriterien Sachverhalt, Relevanz und Vernachlässigung hin untersucht. In einem ersten Schritt nehmen die Studierenden Kontakt zu den Verfassern der eingereichten Empfehlungen auf. Sie versuchen das Motiv des Einreichers  festzustellen undweitere Quellenhinweise zu erhalten. In einem zweiten Schritt prüfen sie die Vernachlässigung des Themas. Dafür erschließen sie das thematische Umfeld über Pressedatenbanken und Informationsangebote im Internet. Der Zugang zu den kostenpflichtigen Pressedatenbanken erfolgt an allen drei Hochschulen online über das Netz der Hochschulbibliotheken. Um den dargestellten Sachverhalt zu prüfen, sehen die Studierenden nicht nur das bereits veröffentlichte Material durch, sondern sprechen auch mit Vertretern von Firmen und Behörden sowie mit mehreren unabhängigen Experten.

In einem Rechercheprotokoll halten die Studierenden jeden Arbeitsschritt fest. Vor jeder  Seminarsitzung müssen sie ihre Ergebnisse den Dozenten vorlegen, damit anschließend möglichst gezielt weitere Rechercheschritte geplant werden können. Im Laufe der Überprüfung stellen die Studierenden oftmals fest, dass die eingereichten Themen zwar dem Einreicher sehr wichtig sind, keineswegs aber vernachlässigt. Auch gibt es hin und wieder Vorschläge, deren Sachverhalt sich nicht überprüfen und bestätigen lässt. Die Themen, die sachlich richtig und vernachlässigt sind, werden der Jury in einem Jurybericht vorgestellt. Für diesen Bericht werden ausführlichere Kommentare von zwei voneinander unabhängigen Experten eingeholt. Auch soll ein Autor, der bereits maßgeblich über das Thema berichtet hat, die Gründe für die Vernachlässigung in den Massenmedien einschätzen. Die Jury trifft jeweils zu Jahresbeginn eine Auswahl aus den von den Studierenden überprüften Vorschlägen. Dabei sind die Juryberichte der Studierenden die Vorlage für die später veröffentlichte Top-Ten-Liste.

Nicht immer ist es leicht, Experten für die eingereichten Themenvorschläge aufzuspüren. Insbesondere sicherheitsrelevante Themen lassen sich nicht ohne weiteres von Studierenden erschließen, da diese sich in das Thema erst einarbeiten müssen und in der Regel über keine gewachsenen Kontakte zu möglichen Informanten verfügen. So dauerte es beispielsweise mehrere Wochen, als geklärt werden sollte, ob es tatsächlich ein Problem ist, dass die für einen Virus
erforderlichen Gensequenzen bei Biotechnologie-Firmen bestellt werden können, ohne dass dies ernsthaft kontrolliert wird. Vertreter von Behörden teilten mit, dass dies rein theoretisch möglich sei, wollten sich aber nicht im Detail zu entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen äußern. Biologen verwiesen auf die Diskussion in Fachkreisen, vermieden aber eine persönliche Stellungnahme. Erst eine Konferenz in den USA, die dieses Thema aus professioneller Sicht aufgriff, zeigte, dass es sich dabei um ein ernsthaftes Problem handelte. In Interviews mit einem US-Fernsehsender sprachen führende Biowaffen-Experten über Missbrauchsmöglichkeiten. Da das Thema nur von einem deutschsprachigen Fachmagazin aufgegriffen wurde, konnte es der Jury als vernachlässigt präsentiert werden und landete schließlich auf Platz 4 der Themen des Jahres 2006.

Expertengespräche können mitunter auch zu neuen Hinweisen auf vernachlässigte Themen führen. So machte ein Experte das Seminar Bonn darauf aufmerksam, dass es bei der Vergabe des Entwicklungsauftrags für das Raketenabwehrsystem MEADS Ungereimtheiten gegeben habe. Der studentische Rechercheur konnte dafür zunächst keine Hinweise finden. Die Pressedatenbanken zeigten zwar, dass die Entscheidung für MEADS politisch kontrovers in vielen überregionalen Tageszeitungen diskutiert wurde und dass große Zweifel an dem Sinn des Projekts bestanden. Die Auftragsvergabe selbst beleuchteten die gefundenen Artikel jedoch nicht. Erst der nächste Schritt, das Gespräch mit einem weiteren Experten, brachte Aufklärung. Er benannte inhaltliche und formale Mängel von Expertengutachten, die die Kaufentscheidung gestützt hatten. Zudem
verwies er den Rechercheur auf einen Bericht des WDR-Magazins „Monitor“. Dieser zeigte Verbindungen der Experten, die die Gutachten erstellt hatten, mit dem Rüstungskonzern EADS auf, der von dem Entwicklungsauftrag profitierte. Damit schien die Geschichte rund genug, um sie der Jury zur Abstimmung vorlegen zu können. In der Jury wurde darauf aufmerksam gemacht, dass der „Monitor“-Bericht bereits Gegenstand einer gerichtlichen Auseinandersetzung gewesen war, in der sich der WDR durchsetzen konnte. Das Thema landete schließlich auf Platz 7 der Liste des Jahres 2006.

Mitunter stellt sich bei der Recherche des eingereichten Themas heraus, dass es in den Medien keineswegs vernachlässigt war, dass aber im Zuge der Entwicklung wichtige Aspekte unberücksichtigt blieben. So wurde im Jahr 2006 ausgiebig darüber berichtet, dass EU-Agrarsubventionen nicht offen gelegt werden. Mehrere Organisationen hatten sich zusammengeschlossen, um in einer Kampagne darauf aufmerksam zu machen. Im Ergebnis erklärte sich die EU-Kommission zu einem Kompromiss bereit. Auch darüber wurde berichtet. Allerdings handelte es sich um einen faulen Kompromiss: Die Subventionen sollten erst ein Jahr nach den Neuverhandlungen des EU-Agrarhaushalts im Jahr 2008 transparent gemacht werden, damit die Gespräche ohne eine informierte Öffentlichkeit stattfinden würden. Da die Medien diesen Umstand nicht maßgeblich thematisiert hatten, wurde das Thema als vernachlässigt eingestuft – und landete auf der Liste des Jahres 2006 auf Platz 8.

Wirkung und Nachhall

Seit der Begründung der Initiative Nachrichtenaufklärung im Jahr 1997 wurden mehrere 100 Studierende auf fast 1000 schwierige Themen angesetzt, die sie erfolgreich erfassten, bewerteten und aufarbeiteten. Die INA wurde so zu einem wichtigen Baustein in der Ausbildung von Journalisten und Kommunikationswissenschaftlern. Sie zeigt ihnen nicht nur anhand der Nachrichtenwerttheorie, sondern an konkreten Beispielen, wie und aus welchen Gründen Nachrichten und Themen in den Medien aufgegriffen oder vernachlässigt werden. Auf diese Weise sensibilisiert sie die Studierenden für die Notwendigkeit einer gründlichen Recherche und zeigt ihnen mögliche Schwierigkeiten bei der Erarbeitung bestimmter Themenkomplexe. So ermöglicht sie ihnen ein Hineinschnuppern in den investigativen Journalismus und das Herausbilden eines eigenen journalistischen Selbstverständnisses.

Ein weiteres erklärtes Ziel der Initiative Nachrichtenaufklärung ist es, Journalisten zur Reflexion ihrer Arbeit und zur Recherche von komplexen Themen anzuregen. Die Wirkung der Top-Ten-Liste auf die Medienberichterstattung lässt sich allerdings nur schwer abschätzen. Am direktesten wird der Einfluss dann deutlich, wenn eine Redaktion die Arbeit der INA vorstellt und ein nominiertes Thema für die weitere Berichterstattung selbst aufgreift. So ließ das „Greenpeace Magazin“ im Jahr 2006 den Journalisten Toralf Staud das Thema „Strategie der Abhängigkeit – Irakische Bauern müssen Lizenzgebühren für Saatgut zahlen“ vor Ort im Irak nachrecherchieren. Es präsentierte seine Reportage unter dem Titel „Der vierte Golfkrieg“ in der Mai/Juni-Ausgabe 2006. Leider ist dies ein Einzelfall – die meisten Medien begnügen sich mit einer Meldung über die neueste Top-Ten-Liste. Einige Themen der vergangenen Jahre haben mit der Nominierung eine Art Belebung erfahren – so etwa 2001 die Themen „Monopolisierung der Trinkwasserversorgung“ und „Innenminister Schily behindert Informationsfreiheitsgesetz“. Das Netzwerk Recherche setzte sich später für die Verabschiedung eines für die Bundesbehörden geltenden Informationsfreiheitsgesetzes ein und erarbeitete dafür sogar eine eigene Vorlage. Die rot-grüne Regierungskoalition verabschiedete das Gesetz im Sommer 2005, seit Anfang 2006 ist es in Kraft. Auch das Thema „Vom Petro-Dollar zum Petro-Euro: Iran plant neue Ölbörse“, das auf der Top-Ten-Liste von 2005 vorgestellt wurde, erhielt einige Beachtung. „Spiegel Online“ diskutierte es in dem Artikel „Die Legende vom Petro-Euro-Krieg“ am 11. März 2006. Am 16. März schafften es die Pläne der iranischen Regierung zu den geplanten Veränderungen im Ölhandel unter dem Titel „Öl – nur noch gegen Euro“ auf die Seite 1 der „Süddeutschen Zeitung“. Anlass für die prominente Platzierung auf der Titelseite waren allerdings weniger die Bemühungen der Initiative Nachrichtenaufklärung als vielmehr warnende Äußerungen des iranischen Führungspersonals. Ähnlich ist auch die Presseresonanz auf das Thema „Stromfresser Internet“ zu bewerten, das in der Liste für 2006 auf den dritten Platz kam. Einen Tag nach der Bekanntgabe der Top- Ten-Liste stellte ein renommiertes US-Forschungsinstitut eine weit zitierte Studie vor, die zeigte, dass im Jahr 2005 Internet-Server weltweit ganze 14 Kraftwerke komplett auslasteten.

Mit der Manipulierbarkeit von Wahlmaschinen griff die Initiative Nachrichtenaufklärung im Februar 2006 ebenfalls ein Thema auf, das erst später bundesweit Schlagzeilen machte. Im Herbst 2006 führten Hacker im niederländischen Fernsehen vor, wie sich Wahlergebnisse in elektronischen Geräten mit einfachen Mitteln fälschen lassen. Der Petitionsausschuss im Bundestag nahm sich des Themas Ende 2006 an – und lehnte die Eingabe als „offensichtlich unbegründet“ ab. Grund: Manipulationen der Bundestagswahlen konnten nicht nachgewiesen werden. Der Vorsitzende des Ausschusses kündigte aber an, dafür zu sorgen, dass das Thema in anderen Gremien des Bundestags weiterbehandelt wird.

Ausblick

Immer wieder wird die Initiative Nachrichtenaufklärung angeregt, derart wichtige Themen nicht nur einmal im Jahr zu präsentieren. Um diesen Vorschlägen entgegenzukommen, könnte die INA alle Themen, die es aus verschiedenen Gründen nicht auf die publizierte Top-Ten-Liste schaffen, aber dennoch mehr Aufmerksamkeit verdient hätten, auf ihrer Homepage als Recherchetipps  veröffentlichen. Eine bessere Einbindung der Website in die Blogosphäre würde außerdem eine noch stärkere Resonanz der nominierten Themen im Internet ermöglichen. Dies wiederum könnte zu einer erhöhten Aufmerksamkeit der etablierten Medien führen – und damit auch zu einer gründlicheren Reflexion des alltäglichen Nachrichtengeschäfts. Qualität im Journalismus ist schließlich vor allem eine Frage des genauen Hinsehens und Begreifens.

Literatur

Pöttker, Horst (1999): Initiative Nachrichtenaufklärung. Zwölf Thesen über das öffentliche (Ver-)
Schweigen. In: Ludes, Peter/Schanze, Helmut (Hrsg.): Medienwissenschaften und Medienwertung.
Opladen, Wiesbaden: Westdeutscher Verlag. 161-170