| Unfeine Methoden |
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| Geschrieben von Christiane Schulzki-Haddouti | |
| Mittwoch, 1. November 2006 | |
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Handelskonzern Metro geht gegen kritische Berichterstattung über RFID-Funkchips vor. Diesen Artikel veröffentlichte die Fachzeitschrift "Journalist" im November 2006.
Die Metro AG ist einer der führenden Treiber bei der Entwicklung der RFID-Funkchips. Sie verspricht sich von der neuen Technik, mit der jedem Gegenstand ein aus Distanz auslesbarer Zahlencode zugeordnet werden kann, vor allem eine effizientere Logistik. Allerdings verlieh ihr der Bielefelder Verbraucher- und Datenschutzverein FoeBud just hierfür den „Big Brother Award“, da über eine Zuordnung von Gegenständen zu Kunden auch das Verbraucherverhalten genau ausgewertet werden könnte. Seitdem bemüht sich das größte deutsche Handelsunternehmen ganz besonders um ein lupenreines Auftreten in der Öffentlichkeit. Bis heute findet kritische Berichterstattung über die RFID-Technik vorwiegend seitens Technikjournalisten statt – Massenmedien greifen das Thema nur selten auf. Während die Kollegen der Fachpresse kaum behelligt werden, sammeln Kollegen vom Fernsehen einschlägige Erfahrungen. So beschwerte sich Metro etwa über eine freie Journalistin bei ihrem öffentlich-rechtlichen Arbeitgeber und klagte gegen einen RFID-kritischen Bericht des ZDF-Politmagazins „Frontal 21“. Kritische Berichterstattung. Eine Erklärung für die besondere Sensibilität des Konzerns gegenüber kritischer Berichterstattung liefern Unterlagen des Auto-ID-Centers am Massachusetts Institute for Technology (MIT), das die RFID-Technik federführend entwickelt hat. Eine PR-Agentur hatte 2003 im Auftrag des MIT verschiedene Studien für die Einführung von RFID erstellt. So ist in den ehemals vertraulichen Papieren zu lesen: „Das Fehlen klarer Vorteile für den Verbraucher könnte ein Problem in der „realen Welt“ darstellen.“ Da es derzeit „keine klaren Vorteile, die auch nur schwach Negatives ausbalancieren könnten,“ gäbe, würde jegliche negative Presseberichterstattung, die vorherrschend neutrale in eine negative Wahrnehmung verwandeln. Entsprechend bemüht sich die Metro AG um Journalisten – unter anderem unterstützte sie im Frühjahr 2005 ein Presseseminar für Lokaljournalisten der Bundeszentrale für politische Bildung mit dem zukunftsfreudigen Titel „Intelligenz im Supermarkt. Mit dem Einkaufswagen in die Zukunft – Themen, Ideen und Konzepte für einen lokalen Wirtschaftsjournalismus.“ Ausgewiesene Kritiker waren auf der Veranstaltung nicht vertreten, der für die Erläuterung der technischen Grundlagen geladene Professor Michael ten Hompel engagiert sich inzwischen im RFID-Informationsforum, einer RFID-Lobbyorganisation. Unterstützt wurde das Seminar, so Bundeszentrale auf Nachfrage, durch „Übernahme der Kosten und Hilfe bei der Logistik, jeweils durch die Metro“. Journalistische U-Boote? Auch die freie Journalistin Claudia Fischer, die vorwiegend für den WDR arbeitet, nahm an dem Seminar teil. Einige Zeit später staunte Michael Thamm, Leiter des WDR-Studios Bielefeld, nicht schlecht, als ihm ein Schreiben von Jürgen Homeyer, Pressesprecher der Metro AG, ins Haus flatterte. Homeyer schrieb an Thamm: Wir stellen „uns die Frage, wie Frau Claudia Fischer, die angibt für Ihr Haus tätig zu sein, gleichzeitig eine stark engagierte Aktivistin gegen RFID sein kann, die sich unter anderem im FoeBud einem informationstechnologie-kritischen Verein aus Bielefeld, als „Ansprechpartnerin für die Presse“ ausgibt und auf Demonstrationen zu Aktionen gegen RFID und unser Haus aufruft.“ Es sei eine „sehr fragwürdige Angelegenheit, wenn Journalismus in unabhängigen Medien missbräuchlich für die Verbreitung persönlicher Ideologien eingesetzt“ werde. Gleichzeitig beteuerte Homeyer: „Kritische Einstellungen und Bendenken von Daten- und Verbraucherschützern gegenüber der neuen Technologie werden von uns sehr ernst genommen und in Form eines demokratischen Diskussionsverständnisses ohne Einschränkungen akzeptiert.“ Schließlich habe man sich einer „offenen und transparenten Kommunikation“ verschrieben. Thamm war über den Brief mehr als nur erstaunt. Mit dem Schreiben habe Metro „unter der Gürtellinie“ agiert, sagt der Journalist heute. Während seiner langjährigen Berufspraxis habe er es noch nie erlebt, dass ein Unternehmen „dermaßen konsequent und in schriftlicher Form gegen eine freie Journalistin vorgeht.“ In einem Antwortbrief wies Thamm den wohl um die „Redaktions-Hygiene“ besorgten Homeyer darauf hin, dass Claudia Fischer selbst für den WDR über RFID nicht berichte – ja von selbst den WDR auf ihr Engagement für FoeBud hingewiesen habe und einen entsprechenden Auftrag auch nicht akzeptieren würde. Dies sei eine „absolut vorbildliche Verhaltensweise“. Und weiter: „Dass sich Kolleginnen (fest oder frei) privat für bestimmte Dinge engagieren und dies mitunter auch öffentlich tun, finde ich in Ordnung“. Auch die Redaktion des ZDF-Politmagazins „Frontal 21“ wurde bereits mit Sonderhinweisen der Metro AG verwöhnt. Nach einem Beitrag zum Thema „Der gläserne Bürger – Überwachung per Funkchip“ erhielt das ZDF-Justiziariat Post von der Anwaltskanzlei Clifford Chance – mit der Bitte, den die Metro AG betreffenden Teil des Beitrags „unverzüglich aus Ihrem Internetauftritt“ zu entfernen. Auch sollte sowohl das Manuskript als auch die Videodatei des Beitrags geändert werden. „Damit sollte die gesamte Berichterstattung über Metro verhindert werden“, sagt Frontal-21-Autor Ulrich Stoll. Der Fall ging vor das Landgericht Düsseldorf – und endete mit einem Teilerfolg für beide Seiten. So darf das ZDF nicht mehr den Eindruck erwecken, der Einsatz der RFID-Chips geschehe heimlich. Das Manuskript ist allerdings auch heute nicht mehr auf der ZDF-Website zu finden. Für Stoll ist der Fall klar: „Die Metro bemüht sich Journalisten einzuseifen, kritische Berichterstattung zu unterdrücken und unkritische Berichterstattung zu fördern“. Offenheit und Transparenz? Metro scheint sich übrigens auch öffentlichen Diskussionen zu RFID verweigern zu denen die RFID-Kritikerin Rena Tangens vom besagten Bielefelder Verein FoeBud geladen ist. Entweder Tangens nimmt nicht teil – oder Metro verzichtet selbst – hieß es bei zwei Veranstaltern, die dies dem „journalist“ bestätigten, aber namentlich nicht genannt werden wollten. |
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