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Mythos Star Trek Drucken
Geschrieben von Christiane Schulzki-Haddouti   
Sonntag, 1. September 1996
Beitragsinhalt
Mythos Star Trek
Tugenden
Ehrenkodizes
Schöne Hässlichkeiten
Frauen

Aus meinem Archiv: Erstmals erschienen ist die Geschichte in der legendären Zeitschrift "planet" 9/1996 - kurz vor dem Start der Serie "Star Trek Voyager". Als Motto hatte ich Gene Roddenberrys Bekenntnis zur multikulturellen galaktischen Gesellschaft vorangestellt, das ich noch immer schön finde: "To be different is not necessarily to be ugly; to have a different idea is not necessarily to be wrong. The worst possible thing that can happen to humanity is for all of us to begin to look and talk and act and think alike."

Wer kennt ihn nicht, den alten Haudegen Kirk, der sich aus brenzligen Situationen mal schnell von Scotty hochbeamen läßt, oder den etwas kopflastigeren Picard, der die Handarbeit schon mal seiner Nr. 1, Riker, überläßt? Seit kurzem ist sogar eine Frau in die illustre Runde der Kapitäne eingetreten, Capt. Janeway vom Raumschiff U.S.S. Voyager, die ihre Feuerprobe bei den Fans erst noch bestehen muß.

Star Trek flimmert bereits seit knapp 30 Jahren durch endlose Ätherräume, überwindet Sprach- und Kulturgrenzen in 75 Ländern, mehr als eine Milliarde Dollar wurde im Merchandising umgesetzt, mehr als 70 Millionen Trekbücher gedruckt. Die weltweite Fangemeinde überschlägt sich in Conventions und anderen Spektakeln. Mit erstaunlichem Erfolg produziert Paramount zur Zeit zwei Star-Trek-Serien parallel: Deep Space Nine und Voyager, ein 8. Film mit Picards Crew ist in Vorbereitung. Jede Woche wird eine neue Web-Seite ins Netz gestellt, ein eigenes Usenet namens treknet wird rund um die Uhr von Fans besucht. Zahlreiche Seiten mußten im letzten Jahr von einem Uni-Server auf einen kommerziell geführten Server wechseln. So auch die Salzburger Star-Trek-Seite von Brigitte Jellinek, die zuletzt 150.000 Zugänge pro Woche verzeichnete.

In deutschen Newsgroups und Foren der Online-Dienste wird ungehemmt dem Starkult gehuldigt. Die meisten Fans befinden sich noch in der Ausbildung, emanzipieren sich soeben aus den eigenen Familien. Sie identifizieren sich daher mit ganz bestimmten Leitfiguren. Die beiden Kämpfer Riker und Worf gehören zu den beliebtesten Charakteren, gefolgt vom moralisch überaus korrekten, aber kindlich neugierigen Data. Aber auch Spock wird noch eine liebevolle Verehrung entgegengebracht. Technische Details der diversen Raumschiffe werden von den überwiegend männlichen Fans diskutiert: Mit wieviel Protonentorpedos ist die U.S.S. Defiant ausgerüstet? Was ist nun der Impulsantrieb, warum ist Warp 10 nicht möglich? Immer wieder findet sich einer, der sich nach der Verschlüsselung der Sternzeit erkundigt, und einer, der es ihm gnädig erklärt. Die "Physik bei Star Trek" regte sogar schon zu einer Vorlesungsreihe an einer deutschen Universität an. Die Serie mit ihrem techno-babble, zu deutsch: Technogeschwätz, legt es nahe. Selbst wenn ein Warpkernzusammenbruch bzw. der Super-GAU auf der Enterprise kurz bevorsteht, verliert keiner die Fassung und Chefingenieur Giordi erklärt knapp und präzise, an welchem Lösungsvorschlag er momentan arbeitet. Und selbst wenn das Schiff von einer Energiewolke hin und her geschüttelt wird und die Schutzschilde zusammenbrechen, ist die Brückenmannschaft in der Lage einen Zustandsbericht abzuliefern.



 
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