Kategorie-Archiv: Medienwandel

Wolfgang Blau dekonstruiert sieben Branchenmythen

Wolgang Blau: Die sieben Branchenmythen zum Zustand des Journalismus from Carta on Vimeo.

Die sieben Mythen nach Wolfgang Blau:

1. Blogs stellen eine Gefahr für taditionelle, kommerzielle Medien dar.
2. Google ist schuld am Niedergang der Tageszeitungen.
3. Nur Print- und Broadcastmedien können für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Meinungspluralismus sorgen.
4. Der Online-Journalismus hat noch kein Geschäftsmodell.
5. Das Internet begünstigt eine Boulevardisierung des Journalismus.
6. Ohne öffentlich-rechtliche Online-Auftritte hätten die kommerziellen Websites in Deutschland sehr viel bessere Chancen, profitabel zu werden.
7. Mit dem wirtschaftlichen Niedergang einiger klassischer Medien droht auch ein Niedergang des Journalismus und eine substantielle Gefahr für die Demokratie.

via Carta

3 Gründe, warum Facebooks „Gefällt mir“-Button bei mir keine Chance hat

Gerade hat sich ein Leser darüber mokiert, dass es keinen „Gefällt mir“-Button gibt. Interessanterweise hat Akismet den Kommentar gleich in den Spam-Ordner verschoben. Dennoch eine Erklärung, weil ich diesen Button nahezu überall inzwischen antreffe:

Diesen Button gibt es auf meinen Seiten nicht und es wird ihn auch künftig nicht geben.

Auch wenn es mir natürlich gefallen würde zu sehen, wem hier ein Artikel gefällt. Aber es gibt ja auch noch die Kommentarleiste.

Es gibt dafür verschiedene Gründe, die ich in meiner Berichterstattung schon aufgeschlüsselt habe. Kurz aufgezählt sind es folgende:

  1. Der Button setzt Cookies auf die Rechner der Besucher und verfolgt sie damit quer durch das Netz. Wenn die Besucher gleichzeitig bei Facebook sind, kann Facebook erfahren, was sie im Netz sonst so tun. Arnold Rosendaal hat in seinem Paper beschrieben, wie das funktioniert und es gefällt mir nicht.
  2. Facebook hat erst kürzlich den „Gefällt mir“-Button in einen Share-Button verwandelt. Damit sorgt jeder Klick dafür, dass ein Eintrag auf der eigenen Facebook-Pinnwand erscheint. Als Blog-Betreiberin finde ich das natürlich toll. Aber es ist wieder ein Beispiel dafür, wie Facebook seine Datenbank nach Belieben umfunktioniert. Das Datenschutz-Prinzip der „Zweckbindung“ wird so immer wieder ausgehebelt. Das ist etwas, was mich als Facebook-Nutzerin nicht gefällt.
  3. Facebook erstellt über den Button eine alternative Bewertungsstruktur im Netz. Da nicht alle Suchmaschinen diese deep links auswerten können, wird sich nach und nach die Gewichtung der Relevanz von Artikeln verschieben. Facebook seinerseits bestimmt darüber, wer die Links auswerten darf und wer nicht. Bing zum Beispiel darf, Google nicht. Das verstößt gegen das Prinzip der Offenheit, das für die Architektur des Internets wesentlich ist.

All das verstößt gegen fundamentale Prinzipien, die ich für das Internet lebensnotwendig halte. Ich kann daher diesen Button nicht unterstützen.

Serialitaet

Mangelserie

Dieses Schaufenster fotografierte ich 1991 in Prag. Es war wohl ein Bücherladen, der hier für ein einziges Produkt warb – ganz in der Ästhetik der Mangelwirtschaft: Das, was am Begehrenswertesten schien, wurde massenhaft ausgestellt, um zu zeigen: Wir haben es. Was mich damals so irritierte war, dass es kurze Zeit nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ausgerechnet diese amerikanische Fernsehserie war.

Zukunft Medien: 10 Beobachtungen & 10 Thesen

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein Autor einer Tageszeitung die sich rasant entwickelnde Medienlandschaft beklagt. Dabei wäre es wichtig, die sich verändernden infrastrukturellen Bedingungen der Medienlandschaft möglichst genau zu benennen. Denn nur das kann die Voraussetzung dafür sein, zukunftsfähige Medienprodukte zu entwickeln. Aus zehn Beobachtungen ergeben sich zehn Thesen zur Zukunft der Medien.

10 Beobachtungen & 10 Thesen

10 Beobachtungen

Folgende zehn Beobachtungen sind zu nennen. Sie lassen sich teilweise bereits mit Studien belegen, teilweise aber sind es nur Ausprägungen der  jüngsten Entwicklungen.*

  • 1. Niedrige Barrieren der Inhalteproduktion und -rezeption
  • 2. Medienkompetenz als Voraussetzung für erfolgreiche Teilhabe
  • 3. Erosion des Gatekeeping
  • 4. Zunehmende Fragmentierung von Öffentlichkeit
  • 5. Neue Chancen mit Lückenbesetzen und Vernetzen
  • 6. Die (Wieder-) Entdeckung authentischer Inhalte
  • 7. Die Erweiterung journalistischer Produktionszyklen
  • 8. Die Werbung als wackeliges Rückgrat der professionellen Inhalteproduktion
  • 9. Der Klick verliert, der Besucher gewinnt
  • 10. Nutzung der Marke für verwandte Wertschöpfungsketten

Beobachtung Nr. 1:  Barrieren der Inhalteproduktion und -rezeption sind niedrig

Beteiligungsbarrieren der Inhalteproduktion in digitalen Medien werden erheblich abgesenkt und gleichzeitig wird das Finden von Inhalten einfacher:

  • Eine Blog-Software beispielsweise ist zunächst einfach nur leicht zu bedienende Content-Management-Software (wie sie in den Verlagshäusern bislang in ihrer Einfachheit nur selten anzutreffen ist), die keine besonderen Vorkenntnisse verlangt. Sie ermöglicht Einzelnen und kleinen Gruppen individuell zugeschnittene Inhalteangebote anzubieten. Das gilt nicht nur für die Textproduktion, sondern auch für die Bild-, Audio- und Videoproduktion.
  • Zunehmend mehr Diensteanbieter ermöglichen das Veröffentlichen von Inhalten, sei es Texten, Fotos, Videos oder Musik. Damit können nicht nur Einzelne, sondern auch Gruppen Inhalte produzieren und veröffentlichen, hinweisen und kommentieren, weiterleiten und tauschen.
  • Die Inhalteproduktion ist nicht nur einfacher geworden, sie ist nahezu kostenfrei möglich.
  • Veröffentlichte Inhalte können über Werkzeuge, die die Struktur von Linknetzwerken intelligent auswerten, leichter gefunden werden. Dazu gehören nicht nur Suchmaschinen, sondern auch Tagging-Dienste wie Social-Bookmarking-Dienste.

Beobachtung Nr.2:  Medienkompetenz ist Voraussetzung für erfolgreiche Teilhabe

Die hauptsächliche Vorbedingung für ein nachhaltiges Veröffentlichen im Netz ist ein gewisses Maß an Medienkompetenz. Sie ist die eigentliche Barriere, die es zu überwinden gilt. Sie beinhaltet

  • die Fähigkeit, sich relativ rasch in den Informationsangeboten bewegen und orientieren zu können,
  • die Fähigkeit, Informationen bewerten zu können (möglicher Bewertungsmaßstab könnte die journalistische Rechercheregel sein: Wenn zwei, möglichst drei von einander unabhängige Quellen dasselbe behaupten, ist es wahrscheinlich, dass die Behauptung zutreffend ist),
  • ein deutliches Mitteilungsbedürfnis bzw. Engagement, gerne auch als „intrinsisches Interesse“ bezeichnet,
  • die Fähigkeit, selbst eigenständige Inhalte produzieren bzw. bestehende Inhalte auf wertsteigernde Weise darstellen zu können,
  • das Wissen um den technischen Umgang mit dem Veröffentlichungswerkzeug,
  • eine Grundkenntnis der rechtlichen Rahmenbedingungen (z.B. Impressumspflicht, Fragen rund um die Inhalteverantwortlichkeit).

Beobachtung Nr. 3: Das Gatekeeping erodiert

  • Das Bereitstellen von Inhalten in digitalen Medien erweitert die Reichweite des einzelnen enorm.
  • Zu bestimmten Themen sind aus sehr unterschiedlichen Quellen Beiträge unterschiedlichster Qualität zu finden, die sich mit Hilfe von Suchmaschinen und Aggregationsdiensten vergleichen und bewerten lassen. Erleichtert wird dies durch ein gewisses Maß an Allgemeinbildung, aber auch Skepsis (s. journalistische Rechercheregel).
  • Der Erosionsprozess beschleunigt sich in dem Maße, in dem Verlage es (aus verschiedenen Gründen) versäumen, in die Qualität des eigenen Angebots, genauer: in die eigenen Leute zu investieren.
  • Ein weiterer Beschleuniger sind Dienste, die Nutzer und Leser dazu befähigen, sich auf ihre Interessen maßgeschneiderte Angebote zusammenzustellen. Die Stichworte hier: RSS und Aggregation.
  • Einordnungs- und Bewertungsleistungen von aktuellen Nachrichten werden ebenfalls zunehmend von Aggregationsdiensten wie Google News und Rivva über Ähnlichkeitsfunktionen oder Facts 2.0 und Wikio über Community-Bewertungen übernommen.

Beobachtung Nr. 4: Öffentlichkeiten fragmentieren zunehmend

  • Der Wettbewerb unter Anbietern von überregional relevanten Themen wird härter und zwingt zur Konsolidierung und zur Spezialisierung.
  • Bei lokalen Themen ist kaum Wettbewerb zu verzeichnen. Unter anderem deshalb verlieren Lokalzeitungen nachweislich weniger Leser an Internetangebote.
  • Ähnlich sieht das auch bei Spezial-Themen aus, die ein gewisses Maß an Expertise beinhalten. Wenn es im Internet jedoch eine große Auswahl an Quellen für bestimmte Spezial-Themen gibt, düften sich auch auf diese Themen spezialisierte Angebote schwer tun.
    Ein Beispiel hierfür ist der Spiele-Bereich: Es gibt nur noch wenige Fachzeitschriften, und auch im Internet nur eine überschaubare Anzahl von Websites, die eine professionelle Berichterstattung bzw. systematische Reviews von Games betreiben. Dafür gibt es unzählige Fansites und Communities, die sich dieser Aufgabe mit Leidenschaft gewidmet haben.
  • Konkurrenz zu herkömmlichen Medien erwächst aus diversen sozialen Netzwerken. Sie können immer kleinere Teilöffentlichkeiten erschließen, da sie den Informationsaustausch zwischen kleinen Interessensgruppen ermöglichen.

Beobachtung Nr. 5: Die Chancen bestehen im Lückenbesetzen und Vernetzen

  • Chancen für den Aufbau neuer Online-Angebote bestehen dort, wo eine Ressourcen-Knappheit herrscht und wo es eine kritische Masse nach Nachfragenden gibt. So punktet etwa Stefan Niggemeier deshalb im Bereich „Medien“, weil in den Medien-Ressorts etablierter Angebote kritische Beiträge Seltenheitswert haben. Die südkoreanische Bürgerjournalismus-Plattform OhmyNews beispielsweise konnte viele Beitragende und Leser gewinnen, weil sie ein Gegengewicht zum konservativen Medienmainstream bot.
  • Eigener Content wird mit unabhängigem Content ergänzt: Die Vernetzung von relevanten unabhängigen Blog-Beiträgen mit redaktionellen Inhalten erweitert das Aufmerksamkeitsfeld nicht nur für das Blog, sondern auch für das vernetzende Medium.
  • Neue Medienkomplexe können aus der gezielten Vernetzung voneinander unabhängiger Teilöffentlichkeiten entstehen. Ihr Kitt sind die Währung „Aufmerksamkeit“ und eine koordinierte Werbung. Ein intelligentes Beispiel hierfür ist Glam.

Beobachtung Nr. 6: Authentische Inhalte werden neu entdeckt

  • Originalität, Authentizität und damit Glaubwürdigkeit gehören zu den Tugenden, die traditionelle Medien zu wenig pflegen und so eine Nische für neue Anbieter öffnen. Robert Basic etwa punktet vor allem hinsichtlich Authentizität.
  • Je unabhängiger das Blog, desto glaubwürdiger ist es. Von Verlagshäusern bezahlte Blogger bzw. bloggende Redakteure können daher nur Vorreiter sein, werden als solche aber kein dauerhafter Bestandteil von Verlagsangeboten sein, da diese die Vorzüge des Bloggens in ihre Standardinhalte integrieren (s. Produktionszyklen).
  • Journalistische Medien entdecken den Wert „authentischer“ Beiträge allmählich wieder. Dazu gehören die journalistische Königsdisziplin der Reportage und der investigativen Recherche. Die „Meinung“ erlebt ein Revival. Das gut pointierte Videoblog ist hierbei die Krönung.

Beobachtung Nr. 7:  Journalistische Produktionszyklen erweitern sich

  • Die Redaktionskonferenz ist in traditionellen Medien der Ausgangspunkt für neue Geschichten, der Leserbrief die Endstation. In die Redaktionskonferenz treten Autoren mit Vorschlägen, die sie aus anderen Medien aufgegriffen haben, die auf Leserzuschriften basieren oder auf laufenden Diskussionen basieren.
  • Künftig könnten noch stärker Leserhinweise der Ausgangspunkt für Recherchen sein. Der Anfang hierfür ist etwa in der Art Bürgerjournalismus zu sehen, wie ihn die Saarbrücker Zeitung betreibt. Doch das kann noch weiter gehen: Die Kommentierung und Ergänzung und Korrekturen von Veröffentlichungen durch die Leser wird zum integralen Bestandteil einer Geschichte bzw. wird zum Anstoß für Folgegeschichten. Die gezielte Einbindung der Leser und eine bewusste Vernetzung verschiedener Medien und Quellen  kann zu einer neuen Veröffentlichungsdynamik führen. Was ich genau damit meine? Bitte ausführlicher bei Mark Glaser nachlesen. Ansätze dafür finden sich im N24-Blog von Michaela May, die mit Rechercheaufträgen an ihre Leser experimentiert.

Beobachtung Nr. 8: Die Werbung ist ein wackeliges Rückgrat der professionellen Inhalteproduktion

  • Die Werbung finanziert bei herkömmlichen Medien, insbesondere Zeitungen und Zeitschriften, die Inhalte und der Verkaufspreis die Distribution.
  • Weil im Internet die Nutzer selbst für die Distribution in Form von Zugangsentgelten aufkommen, bleibt den Medien auch hier nur eine Finanzierung der Inhalte über die Werbung. Das kann in Ausnahmefällen klappen: Erfolgreiche Anbieter wie Spiegel Online finanzieren sich inzwischen komplett über die Werbung, andere wie Telepolis tun sich damit immer noch schwer.
  • Alternative Finanzierungsmodelle wie etwa kostenpflichtige Archive und Abos haben sich nicht bewährt. Allein Inhalte mit einer erheblichen Werkschöpfung haben in der Direktvermarktung eine Chance (Finanzdossiers, Studien usw.). Alle anderen sollten als Klick-Zubringer für verschiedene Werbemodelle gesehen werden.
  • Exkurs: Von den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten wird aufgrund ihrer Gebührenfinanzierung eine höhere Qualität der Internet-Inhalte eingefordert. Sie verfügen nämlich über mehr Ressourcen, um etwa investigative Berichterstattung finanzieren zu können. Sie sollten in den Königsdisziplinen des Journalismus ihr Profil suchen und sich so von privaten Diensten abgrenzen. Auf Werbung in jeglicher Form sollten sie nicht nur im Rahmen ihrer Online-Dienste  komplett verzichten.

Beobachtung Nr. 9: Der Klick verliert an Bedeutung, der Besucher wird wichtiger

  • Die Werbewährung, der Klick auf eine Seite, verliert zunehmend an Relevanz. Dafür gewinnt die Anzahl der Besucher sowie die Dauer des Besuchs an Bedeutung.
  • Für die immer wichtiger werdenden RSS-Feeds gibt es bislang außer Google-Ads via Feedburner keine Werbeform.
  • Ein Experiment ist die in Beitragsform über einen bestimmen Zeitraum geschaltete Werbung bei Turi2, die auch über RSS verbreitet wird.
  • Klickzahlenunabhängige Werbung gewinnt an Bedeutung. Beispiele hierfür sind das Sponsoring bei ReadWriteWeb sowie die Direkt-Werbung bei Robert Basic, deren Preis über ein Bieterverfahren ermittelt wird.
  • Nutzer werden direkt in die Akquisition von Werbeaufträgen eingebunden, siehe ebenfalls das Werbemodell von Robert Basic.

Beobachtung Nr. 10: Die Marke wird für verwandte Wertschöpfungsketten genutzt

  • Journalistische Expertise kann verwandte Wertschöpfungsketten sinnvoll ergänzen. Ein Beispiel hierfür ist der Journalist David Hudson, der mit seinem weit gelesenen Film-Blog das Angebot eines Film-Verleihs erweitert, an dem er selbst beteiligt ist.
  • Die Verknüpfung von Inhalteplattformen einer bereits etablierten Medienmarke mit Event-Management bzw. der Ausrichtung von Tagungen und Kongressen gewinnt an Bedeutung. Beispiel hierfür sind
  • das Handelsblatt, das seit Jahren eine ganze Reihe von Veranstaltungen und Tagungen organisiert, sowie
  • Technology Review, das zunehmend auf Tagungen setzt.
  • Techcrunch setzte im letzten Jahr mit seiner mehrtägigen Unternehmenspräsentations-Tagung samt Preisverleihung ein Highlight.
  • In kleinem Umfang ist diese Strategie auch bei PR-Blogger Klaus Eck zu beobachten.

Aus den 10 Beobachtungen ergibt sich folgende

Hauptthese: „The network is the medium“.

Alles unterliegt den Regeln der sozialen Organisation. Je besser man diese versteht, desto besser versteht man auch die Regeln, die in Netzwerken gelten.

1. These: Der Nutzer wird zum Produzenten

  • Üblicherweise wird diese These kurz mit „Leser wird Autor“, „Leser wird Enzyklopädist“, „Leser wird Reporter“, „Zuschauer wird Regisseur“ oder „Publikum wird Produzent“ benannt und muss nicht mehr näher erläutert werden.

2. These: Medienkompetenz ist notwendig und wird belohnt

  • Es entstehen „Kompetenz“-Hubs, etwa aus Nutzern, die riesige Linksammlungen zu bestimmten Themenbereichen anlegen und verwalten, oder aus Nutzern, die pointierte Meinungen zu ihren Interessensgebieten äußern. Sie scharen wiederum ähnlich Gesinnte um sich.

3. These: Netzwerke kanalisieren Informationsflüsse

  • Jeder Nutzer hat eine Vielzahl von Interessen. Tools helfen ihm, aus einer Vielzahl von Inhalte-Angeboten und Diskussionsplattformen  sein eigenes Portal zu bauen.
  • Newsagenturen als Lieferanten von Original-Inhalten erleben vor diesem Hintergrund ein Revival.
  • Etablierte Medienmarken, die sich weiterhin vor allem auf die Verarbeitung von Agenturmeldungen konzentrieren, werden einen deutlichen Bedeutungsverlust erleben.

4. These: Der Link ist die Währung der Netzwerke

  • Aufmerksamkeit wird über Links generiert.
  • Je vernetzter eine Umgebung ist, in der ein Link steht, desto wertvoller ist er.

5. These: Der Wert von Inhalten hängt vom Wert ihrer Umgebung ab

  • Inhalte werden als umso wertvoller gewertet, je stärker ihr Bezug auf Personen mit hohem Sozialkapital bzw. Themen mit hohem Aufmerksamkeitskapital ist.

6. These: Publizistische Werte erleben ein Revival

  • Unabhängigkeit, Authentizität, Unbestechlichkeit, Selbstkritik, Bescheidenheit, Transparenz und Teilhabe fördern die Glaubwürdigkeit des Angebots und steigern das Sozialkapital der Autoren.
  • Abhängigkeit, Korruption, Geheimnistuerei, Selbstzufriedenheit, Arroganz und Elitismus unterminieren jeden publizistischen Wert.

7. These: Produktionszyklen werden Produktionsflüsse

  • Es gibt keinen Anfang und keine Ende. Panta rei.  (Wie offensichtlich die Arbeit an diesem Text.)
  • Kollaborative und kooperative Technologien werden zu Schlüsselinstrumenten, um Produktionsabläufe innerhalb von internen und externen Netzwerken effizient bewältigen zu können.

8. These: Die Werbung wird das Netzwerk entdecken

  • Die Zielgruppen werden immer kleiner und differenzierter.
  • Die gezielte Einbindung von Community-Interessen in Werbeinhalte gewinnt an Bedeutung.
  • Redaktionen werden enger mit Anzeigen- bzw. Marketingabteilungen zusammenarbeiten müssen und dafür neue Umgangsformen hinsichtlich Transparenz und Glaubwürdigkeit definieren müssen.

9. These: Die Werbung endet im Long Tail

  • Mikroanbieter werden an Werbeeinnahmen beteiligt bzw. generieren selbst welche.
  • Mikromärkte im Long Tail werden dann zu profitablen Geschäftsfeldern, wenn sie dem Vernetzungsparadigma folgen.

10. These: Wertschöpfungsketten kombinieren und vernetzen

  • Das Packaging von Mediaprodukten wandelt sich dramatisch. (Z_Punkt 2007)
  • Content-Produzenten werden sich mit zunächst ihnen fremd erscheinenden Branchen anfreunden und gemeinsam neuartige Inhalte-Dienstleistungen entwickeln. Das nennt sich dann Innovation.

* Belege für zentrale Beobachtungen sowie konkrete Handlungsempfehlungen sind Bestandteil eines Szenarios „Redaktion“ im Rahmen der Studie „Kooperative Technologien in Arbeit, Ausbildung und Zivilgesellschaft“ , die ich Ende Mai 2007 abschließen werde. Der Auftraggeber wird über den Veröffentlichungszeitpunkt entscheiden.

to be continued and refined … 


English Version

You can find an English Version at Lorenz Lorenz-Meyer’s Scarlatti plus some prose by Lorenz himself